Wie gut ein Kind sich ausdrücken kann, wie fit es motorisch ist, wie gut es in der Schule mitkommt, das hängt in Deutschland ganz wesentlich vom Elternhaus ab, wie Bildungsstudien immer wieder zeigen. Das liegt auch daran, dass Eltern mit höherem Bildungs- und Einkommensniveau mehr Zeit und Geld in die Förderung ihrer Kinder investieren. Den Unterschied hat nun das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in konkrete Zahlen gefasst.
Demnach verbringen Kinder und Jugendliche aus bildungsferneren Haushalten pro Tag durchschnittlich knapp 20 Minuten weniger Zeit mit ihren Eltern, um zusammen zu lesen, vorzulesen, Hausaufgaben zu machen oder einfach zu sprechen, als Kinder aus Akademikerhaushalten.
Das Missverhältnis falle deutlich ins Gewicht: Im Grundschulalter entspricht es demnach rund zwölf Prozent der Unterrichtszeit an Grundschulen.
Prägung in den ersten Jahren
Messbar seien die Unterschiede bereits unmittelbar nach der Geburt, hieß es weiter. Bis zum Ende des zweiten Lebensjahres verbringen Eltern mit Hochschulabschluss demnach täglich durchschnittlich mehr als 50 Minuten mit Bildungs- und Lernaktivitäten, während es bei niedrigerem Bildungsstand nur gut 30 Minuten sind.
Dabei sei die Familie in den ersten Lebensjahren besonders prägend: Während Eltern im ersten Lebensjahr ihrer Kinder durchschnittlich rund elf Stunden täglich mit ihnen verbringen, sinke diese Zeit bis zum Alter von 17 Jahren auf etwa zwei Stunden pro Tag. Die Analyse zeige damit, dass besonders in den ersten Lebensjahren Maßnahmen greifen sollten, die die Familie als Bildungsort stärken.
Dreimal so viel Geld
Auch bei den Ausgaben zeigen sich deutliche Unterschiede. Haushalte in der höchsten Einkommensgruppe geben demnach monatlich fast dreimal so viel Geld für Nachhilfe, Bücher und andere außerschulische Aktivitäten pro Kind aus wie Haushalte in der niedrigsten Einkommensgruppe.
»Die Befunde zeigen dringenden Handlungsbedarf, um den Bildungsort Familie für die Ausschöpfung aller Bildungspotenziale zu stärken«, sagte BIB-Direktorin Katharina Spieß.
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Grundlage der Untersuchung sind Daten der Zeitverwendungserhebung 2022 sowie der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2018.
