SpOn 23.01.2026
07:17 Uhr

Bürokratie kostet Unternehmen 62 Milliarden Euro im Jahr


Chefs klagen gern darüber, wie staatliche Bürokratie ihren Firmen zu schaffen macht. Nun zeigt eine Auswertung des Statistischen Bundesamts, dass die Kosten für Berichtspflichten sinken – aber nur minimal.

Bürokratie kostet Unternehmen 62 Milliarden Euro im Jahr

Die Bürokratiekosten für deutsche Unternehmen wegen Berichtspflichten sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts gesunken – doch liegen sie immer noch bei 62,5 Milliarden Euro pro Jahr. Vor einem Jahr wies die amtliche Statistik Kosten von 66,6 Milliarden Euro aus. Die Zahl der Informationspflichten ging von 12.390 im Januar 2025 auf 12.364 zurück. Abgefragt hat die Zahlen das Bündnis Sahra Wagenknecht.

Von Informationspflichten spricht das Statistische Bundesamt, wenn aufgrund bundesrechtlicher Regelungen Daten oder sonstige Informationen beschafft, übermittelt oder verfügbar gehalten werden müssen. Dabei geht es zum Beispiel um Auswirkungen auf die Umwelt oder Informationen zum Arbeitsschutz. Die Kosten entstehen unter anderem für die Arbeitszeit der Beschäftigten, die diese Informationen zusammentragen. Die genannten Milliardensummen in der Statistik sind auf ein Jahr bezogene Hochrechnungen auf Grundlage der bestehenden Regeln.

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Das Ifo-Institut ging jüngst in einer Studie davon aus, dass Deutschland wegen überbordender Bürokratie bislang gar bis zu 146 Milliarden Euro pro Jahr an Wirtschaftsleistung entgehen. In der Studie berechneten die Forscher direkte und indirekte Kosten, die durch Bürokratie in Deutschland entstehen.

Die schwarz-rote Koalition hat sich vorgenommen, die Bürokratiekosten deutlich zu senken und die Unternehmen von Berichtspflichten zu entlasten. Erst Anfang Januar räumte Bundeskanzler Friedrich Merz allerdings ein, dass die Bürokratiekosten unverändert zu hoch seien.

Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatte kürzlich angeregt, zahlreiche Vorschriften im Bereich Arbeitssicherheit zu streichen. Mehr als 123.000 spezielle Beauftragte sollen abgeschafft werden, ohne dass das Schutzniveau sinkt. Sicherheitsbeauftragte unterstützen die Arbeitgeber beim Arbeitsschutz, viele Betriebe klagen jedoch über den hohen Aufwand.

Vor dem EU-Sondergipfel für mehr Wettbewerbsfähigkeit haben Deutschland und Italien am Mittwoch gemeinsame Vorschläge vorgelegt. Sie werben dafür, den EU-Binnenmarkt mit seinen rund 450 Millionen Verbrauchern zu vertiefen, Genehmigungsverfahren für Unternehmen und Bürger zu verkürzen und Rechtsvorschriften abzuschaffen, die die Wirtschaft belasten.

hej/dpa-AFX