Bud Cort war schon auf einem guten Karriereweg, als er mit Anfang 20 die Rolle seines Lebens bekam. In Robert Altmans Kriegskomödie »MASH« hatte er eine Nebenrolle gespielt, in Altmans nächstem Film »Brewster McCloud« (deutscher Titel »Nur Fliegen ist schöner«) sogar die Hauptrolle. Regisseur Hal Ashby sah in ihm die Idealbesetzung für die kuriose Romanze zwischen einem jungen Mann und einer alten Dame, »Harold und Maude«.
Harold Chasen, Corts Rolle in dem Film, ist ein junger Mann, der bei seiner reichen Mutter lebt und deren Aufmerksamkeit mit spektakulär inszenierten Suizidversuchen auf sich zu ziehen sucht. Harold lernt auf dem Friedhof Maude kennen, gespielt von Ruth Gordon, eine Frau, die seine Großmutter sein könnte. Sie freunden sich an, Harold möchte Maude gar heiraten.
Bud Cort und Ruth Gordon in »Harold und Maude«: Geht unter die Haut
Foto: CBS Photo Archive / CBS / Getty Images»Ein junger Mann, der vom Tod besessen ist, verliebt sich in eine alte Frau, die vom Leben besessen ist. Sie stirbt und lehrt den Jungen, wie man lebt«, fasste Cameron Crowe den Film 2011 zusammen. Die Musik von Cat Stevens gehe unter die Haut.
Die schwarze Komödie bekam zum Kinostart 1971 zunächst schlechte Kritiken, doch im Laufe der Jahre veränderte sich der Blick auf »Harold und Maude«. Das American Film Institute nahm den Film Anfang der Nullerjahre in die Liste der besten Komödien und der besten Liebesfilme auf, sowie 2007 als neuntbeste romantische Komödie der Kinogeschichte. In Deutschland war »Harold und Maude« in den Siebzigerjahren schon zum Programmkinoklassiker geworden.
Der sich langsam entwickelnde und lang anhaltende Erfolg von »Harold und Maude« führte dazu, dass Bud Cort immer wieder mit dieser einen Rolle identifiziert wurde. »Alle nahmen an, ich wäre diese Person«, erzählte Cort 2000 der »New York Times«. Groupies hätten ihn verfolgt, »sie kamen in mein Hotel und haben Grabsteine und Bilder von toten Babys hinterlassen«. Er habe versucht, mit den Leuten zu reden, und ihnen erklärt, dass sie den Sinn des Films missverstanden hätten.
Cort mit Sally Kellerman in »Brewster McCloud« von Robert Altman: Pseudonym wegen Verwechslungsgefahr
Foto: NZ / Collection Christophel / picture allianceBud Cort kam 1948 als Walter Edward Cox im US-Bundesstaat New York zur Welt. Ein Designstudium brach er ab, versuchte sich stattdessen als Stand-up-Comedian. Sein Pseudonym wählte er, um Verwechslungen mit dem Schauspieler Wally Cox zu vermeiden. Eine erste Filmrolle hatte er in Stuart Hagmanns Film »Blutige Erdbeeren«.
Nach »Harold und Maude« hatte Bud Cort noch einige weitere Hauptrollen, so im kanadischen Film »Feiern wir den Lehrer« (1977). In »Son of Hitler« (1979) nach einem Drehbuch von Burkhard Driest, spielte Cort Willi Hitler, den fiktiven Sohn von Adolf Hitler und Eva Braun. Die Rolle des Billy Bibbit in »Einer flog über das Kuckucknest« lehnte er ab, um nicht auf Darstellungen psychisch Gestörter festgelegt zu werden. Lieber hätte er die Hauptrolle des Randle McMurphy gespielt, für die Jack Nicholson einen Oscar bekommen sollte.
Eigenen Aussagen nach litt Bud Cort in den Siebzigerjahren an Depressionen. Eine Zeit lang lebte Cort im Gästehaus von Groucho Marx, mit dem er sich angefreundet hatte. Ein schwerer Autounfall auf dem Rückweg eines Frank-Sinatra-Konzerts erforderte plastische Chirurgie im Gesicht und gab Corts Schauspielkarriere einen weiteren Bruch. In den Achtzigerjahren hatte er vor allem kleinere Rollen im Fernsehen, von den Neunzigerjahren an auch wieder vermehrt im Kino. 2004 spielte er in Wes Andersons »Die Tiefseetaucher« einen biederen Versicherungsmitarbeiter.
Bud Cort bei einer Filmpremiere 2011: Karriereknick nach Autounfall
Foto: Jeff Kravitz / FilmMagic / Getty ImagesAm Mittwoch ist Bud Cort nach langer Krankheit in Norwalk im US-Bundesstaat Connecticut gestorben. Dies melden unter anderem die »New York Times « und das Branchenblatt »Variety « unter Verweis auf Freunde und Familie. Der Schauspieler wurde 77 Jahre alt.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir Jack Nicholson die falsche Rolle in »Einer flog über das Kuckucksnest« zugeordnet. Wir haben den Fehler korrigiert.
