In der Kostüm-Dramedy »Bridgerton« stehen prunkvolle Perücken, verzwickte Liebesbeziehungen und große Bälle im Mittelpunkt. Für Autorin Julia Quinn, 56, passt das nicht mit dem aktuellen Geschehen in den USA zusammen. In einem Interview mit »Vanity Fair« erzählt sie, warum ihr das politische Engagement wichtiger ist als ihre Bücher.
Angesichts des aktuellen politischen Klimas falle es ihr schwer, wieder nach dem Stift zu greifen und ein neues Buch zu schreiben. Wenn man an einen Punkt gelange, an dem es sich unangebracht anfühlt, über etwas anderes zu sprechen, sagt sie, »dann muss man eben darüber sprechen«.
Eigentlich sollte Quinn die neue Staffel »Bridgerton« und eine Buchbox bewerben, angesichts der Ausschreitungen und dem Vorgehen von ICE-Einsatzkräften in Minnesota habe sie das alles erst einmal auf Eis gelegt. »Man darf diesen Moment nicht verstreichen lassen.« Sie könne ihre bevorstehenden Projekte nicht ankündigen, ohne ihre Ablehnung gegenüber »einer Regierung, die Menschen tötet und Kinder entführt,« zum Ausdruck zu bringen. »Ehrlich gesagt, das fühlte sich wichtiger an, als Bücher zu schreiben«, sagte Quinn der »Vanity Fair«.
In einem Video auf Instagram sagte sie dazu: »Es ist mir egal, wenn ihr meine politischen Ansichten nicht hören wollt.« Wem das nicht gefalle, der könne gehen. Sie sei froh, in einer Position zu sein, in der sie sich auch Gegenwind leisten könne. Dieses Glück hätten nicht alle. Bei vielen Autoren hätte es dramatische Auswirkungen, wenn sie mit politischen Aussagen Leser verlieren: »Wenn 5000 Menschen plötzlich aufhören, sie zu unterstützen, können sie ihre Familien nicht mehr ernähren«, sagte Quinn.
Sie selbst habe schon oft ihre Plattform genutzt, etwa für die Covid-Impfung während der Pandemie. Vor den Wahlen 2024 hätte sie davon erzählt, wie ihr eine Abtreibung 2003 das Leben gerettet habe. »Ohne die Notfallabtreibung wäre ich mit Sicherheit gestorben.« Es gebe immer Leute, die man niemals überzeugen könne, sagte Quinn. »Normalerweise antworte ich nicht auf solche Kommentare, aber manchmal versuche ich, eine gut recherchierte Antwort zu geben.«
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Manchmal habe sie aber auch Erfolg. Man wisse nie, wen man mit solchen Aussagen beeinflusse. Quinn wolle versuchen, ihren Kindern eine bessere Welt zu hinterlassen. Ein Weg das zu erreichen: »Manchmal muss man einfach seine Meinung sagen.«
