SpOn 04.03.2026
10:33 Uhr

Braunschweig: Neuer Raubfisch verbreitet sich in Norddeutschland


Dunkle Streifen, hohe Rückenflosse: In vielen deutschen Gewässern schwimmt neuerdings der Wolgazander. Der Fisch-Einwanderer ist offenbar vom Ural aus nach Deutschland gekommen. Und könnte bald den Rhein besiedeln.

Braunschweig: Neuer Raubfisch verbreitet sich in Norddeutschland

Die Fangdaten sind eindeutig: Mit dem Wolgazander breitet sich eine neue Raubfischart im Norden aus. Was ist über den Fisch bekannt?

Raubfisch deutlich kleiner als der Zander

Sehr dunkle und kräftige Streifen bis zum Bauch, eine hohe erste Rückenflosse und keine sichtbaren spitzen Fangzähne: So beschreibt der Anglerverband Niedersachsen (AVN) die Merkmale des Raubfisches, die das Tier vom Zander unterscheiden. Außerdem erreiche der Wolgazander maximal 65 Zentimeter und bleibe damit weit hinter der Größe des Zanders zurück. Dieser könne in der Elbe und der Weser weit über einen Meter lang werden und mehr als zehn Kilogramm wiegen.

Wie der Name verrät, stammt der Wolgazander aus dem Osten Europas, teilte der Verband mit. Der Fisch sei vom Ural, über das Schwarze Meer bis nach Ungarn und die Donau aufwärts bis Österreich verbreitet. Die neuen Erkenntnisse hatte der Raubfisch-Experte vom AVN, Matthias Emmrich, zuvor für die »Zeitschrift für Fischerei« zusammengefasst.

Im Vergleich: Der Wolgazander (l.) hat eine andere Rückenflosse als Zander (r.)

Im Vergleich: Der Wolgazander (l.) hat eine andere Rückenflosse als Zander (r.)

Foto: M. Emmrich / Anglerverband Niedersachsen / dpa

Wo der Wolgazander inzwischen vorkommt

Nach einem ersten Nachweis bei Braunschweig hat der gestreifte Räuber sein Verbreitungsgebiet in Norddeutschland innerhalb von 15 Jahren enorm vergrößert, teilt der AVN mit. »Uns liegen mittlerweile bestätigte Nachweise des Wolgazanders aus elf Gewässern in sechs Bundesländern vor«, sagt Emmrich. Der AVN listet Niedersachsen, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen auf. Einige Funde in der Elbe in Niedersachsen liegen nahe der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern.

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Wasserstraßen für Schiffe wie der Mittellandkanal spielen laut Emmrich bei der Ausbreitung eine wichtige Rolle, weil sie ehemals isolierte Flusssysteme verbinden. Eine Besiedlung des westdeutschen Kanalnetzes und des Rheinsystems hält Emmrich daher für sehr wahrscheinlich. Nach Angaben des Anglerverbands konnten bislang über tausend Fangdaten und mehr als 200 Wolgazander untersucht werden, um Rückschlüsse auf die Verbreitung zu ziehen.

Experte: Keine Gefahr für heimische Raubfische

In den ersten Lebenswochen ernähren sich Raubfische etwa von Wasserflöhen. Kleinere Grundeln seien anschließend die perfekte Beute. Biologe Emmrich geht nicht davon aus, dass der oft kleinere Wolgazander eine ernste Gefahr für heimische Raubfische darstellt. Schon nach den ersten Funden waren Experten davon ausgegangen, dass der Wolgazander langfristig bleibe, aber keine Gefahr darstelle.

Unter Anglern gilt der Fisch als Delikatesse, er soll ähnlich gut schmecken wie der heimische Zander.

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koe/dpa