Ein »Herrschaftsregime« mit Kontrolle, Angst und Leid sollen vier Angeklagte in einem Pflegeheim im Harz geschaffen haben, das wirft ihnen die Staatsanwaltschaft vor. Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Braunschweig verlas der Staatsanwalt zwei Stunden lang die Vorwürfe. Die Menschen in dem Heim seien demnach über Jahre hinweg mit Medikamenten ruhig gestellt und hinter Bettgittern eingesperrt worden. Das Motiv laut Staatsanwaltschaft: Profitgier.
Die Vorwürfe richten sich in 17 Fällen gegen drei Angeklagte: ein Ehepaar mit einem 60-jährigen Mann und einer 63-jährigen Frau als Betreiber. Eine 51-jährige Frau soll als Leiterin wie ein »verlängerter Arm« des Ehepaars gewirkt haben. In 14 Fällen soll eine 59-jährige Angeklagte als verantwortliche Pflegedienstleiterin Beihilfe geleistet haben.
Den Angeklagten wird unter anderem Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung in besonders schwerem Fall und gewerbsmäßiger Bandenbetrug vorgeworfen.
Laut Anklage wurden Berichte zum Gesundheitszustand gefälscht und Ärzte belogen. Die Bewohner seien insbesondere durch sedierende Medikamente systematisch ausgeschaltet worden. Der Vorwurf: So sollte aus Sicht der Angeklagten ein möglichst störungsfreier Pflegebetrieb gewährleistet werden. Sehr »lauffreudige« Menschen sollen hinter Bettgittern eingesperrt worden sein. Solche Zustände hätten von Oktober 2017 bis September 2020 in der Einrichtung mit 68 Plätzen geherrscht.
Mehr als 50 Verhandlungstermine sind für den Prozess bis Ende Januar 2027 angesetzt. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt die Unschuldsvermutung.
