SpOn 23.11.2025
23:20 Uhr

Brasilien: Jair Bolsonaro will Fußfessel wegen »Halluzinationen« bearbeitet haben


Brasiliens früherer Präsident ist in Gewahrsam – und gibt zu, seine elektronische Fußfessel im Hausarrest beschädigt zu haben. Er habe aufgrund des Einflusses von Medikamenten »Halluzinationen« und »Paranoia« entwickelt.

Brasilien: Jair Bolsonaro will Fußfessel wegen »Halluzinationen« bearbeitet haben

Brasiliens Ex-Präsident Jair Bolsonaro hat die Beschädigung seiner elektronischen Fußfessel mit Halluzinationen infolge von Medikamenten erklärt und eine Fluchtabsicht bestritten. »Der Zeuge (Bolsonaro) erklärte, dass er eine ›Halluzination‹ hatte, dass die Fußfessel abgehört werde, und er daher versucht habe, die Abdeckung zu öffnen«, zitierte das Nachrichtenportal »G1«  aus dem Protokoll einer Anhörung.

Der Ex-Präsident war am Samstagmorgen präventiv festgenommen worden, nachdem ein Alarm des Überwachungsgeräts eine mögliche Manipulation angezeigt hatte. In einem später vom Gericht veröffentlichten Video gab er zu, mit einem Lötkolben an dem Gerät gearbeitet zu haben – »aus Neugier«, wie er sagte. In dem Video ist die Fessel immer noch am Bein befestigt, aber sichtbar massiv beschädigt.

Bolsonaro: »Gewisse Paranoia« entwickelt

Der 70-Jährige gab laut Anhörung an, aufgrund der Medikamente »eine gewisse Paranoia« entwickelt und die Manipulation kurz nach Mitternacht begonnen zu haben. Danach sei er »wieder zur Vernunft gekommen« und habe aufgehört. Ein Durchtrennen der Fessel habe es nicht gegeben, auch eine Fluchtabsicht bestritt Bolsonaro demnach.

Die Präventivhaft war von Richter Alexandre de Moraes angeordnet worden. Als Gründe nannte er unter anderem die Beschädigung des Überwachungsgeräts und eine Mahnwache vor Bolsonaros Haus, zu der dessen Sohn, Senator Flávio Bolsonaro, aufgerufen hatte. Ein mögliches Chaos hätte die Kontrolle des Hausarrests erschweren und eine Flucht erleichtern können, urteilte der Richter. Bolsonaro sagte den Berichten zufolge, dass die Mahnwache 700 Meter entfernt gewesen sei, sodass keine Fluchtmöglichkeit bestanden habe.

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Der rechtsgerichtete Politiker war im September zu 27 Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden. Ihm wird ein Angriff auf die Demokratie und ein geplanter Putsch nach seiner Wahlniederlage 2022 vorgeworfen. Er hat Berufung dagegen eingelegt. Einen Antrag der Verteidigung auf »humanitären Hausarrest« aus gesundheitlichen Gründen hatte de Moraes bereits am Freitag abgewiesen.

Bolsonaro stand seit mehr als hundert Tagen unter strengem Hausarrest, weil er in einem separaten Verfahren gegen Auflagen verstoßen hatte. Darin wird ihm vorgeworfen, auf eine Einmischung der USA hingewirkt zu haben, um die Strafverfahren gegen ihn zu stoppen.

lph/dpa