SpOn 25.12.2025
16:31 Uhr

Brasilien: Jair Bolsonaro nominiert Sohn Flavio Bolsonaro für Präsidentschaftswahl 2026


Jair Bolsonaro nutzt seinen Hafturlaub wegen einer Leistenbruch-OP für eine politische Kampfansage und erklärte seinen Sohn Flávio zum Präsidentschaftskandidaten. Der soll den amtierenden Sozialisten Lula da Silva schlagen.

Brasilien: Jair Bolsonaro nominiert Sohn Flavio Bolsonaro für Präsidentschaftswahl 2026

Brasiliens inhaftierter Ex-Präsident Jair Bolsonaro ist wegen eines beidseitigen Leistenbruchs operiert worden. Der Eingriff in einem Krankenhaus in der Hauptstadt Brasilia sei erfolgreich verlaufen, teilte sein Sohn Flavio Bolsonaro auf der Plattform X mit. Der 70-Jährige soll laut einem Bericht des Nachrichtenportals G1 nun für eine Woche in der Klinik bleiben. In den vergangenen Jahren musste Jair Bolsonaro bereits mehrfach operiert werden, nachdem er während des Wahlkampfs 2018 niedergestochen und schwer verletzt worden war.

Ein Bundesrichter hatte die Operation der beidseitigen Leistenhernie zuvor genehmigt. Bolsonaro, der von 2019 bis 2022 Präsident war, verbüßt seit Ende November eine mehr als 27-jährige Haftstrafe wegen eines Putschversuchs. Ihm wird vorgeworfen, nach seiner Abwahl einen Staatsstreich gegen die Regierung seines Nachfolgers Luiz Inácio Lula da Silva geplant zu haben.

Einen Antrag von Bolsonaros Anwälten auf die Verbüßung seiner Strafe im Hausarrest aus gesundheitlichen Gründen hatte der Richter abgelehnt. Er begründete dies mit Bolsonaros wiederholten Verstößen gegen Auflagen und Fluchtversuchen. So hatte er beispielsweise in der Nacht vor seiner Festnahme seine elektronische Fußfessel mit einem Lötkolben beschädigt.

Sohn Flávio soll rechtskonservatives Erbe antreten

Vor seiner Operation hatte der Ex-Präsident überraschend seinen Sohn Flávio als Bewerber für die Präsidentenwahl im kommenden Jahr ausgerufen. Flávio Bolsonaro, 44, derzeit Senator, soll nach dem Willen seines Vaters dessen rechtskonservatives Erbe fortführen und bei der Wahl am 4. Oktober 2026 gegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva antreten. Ziel sei es, »den Willen des Volkes nicht zum Schweigen zu bringen«, hieß es in der Erklärung.

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Trotz der medizinischen Ausnahmegenehmigung blieb die Überwachung streng: Polizeikräfte wurden vor seinem Zimmer positioniert, elektronische Geräte waren verboten. Die Behörden halten den Ex-Präsidenten weiterhin für fluchtgefährdet.

Jair Bolsonaro im September in Brasilia

Jair Bolsonaro im September in Brasilia

Foto: Luis Nova / AP / dpa

Die politische Signalwirkung seiner Botschaft blieb nicht aus. Brasiliens Finanzmärkte reagierten nervös: Viele Investoren hatten gehofft, Bolsonaro würde einen gemäßigteren, administrativ erfahreneren Kandidaten unterstützen – etwa São Paulos Gouverneur Tarcísio de Freitas, einst Bolsonaros Infrastrukturminister. Stattdessen setzt die Bolsonaro-Familie nun auf eine dynastische Fortsetzung des politischen Projekts.

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Flávio Bolsonaro steht im Ruf, strategischer und weniger impulsiv zu agieren als sein Vater – doch ob das reicht, um Lula herauszufordern, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie geschlossen die konservativen Kräfte sich hinter ihn stellen. Er hatte erstmals am 5. Dezember bekannt gegeben, dass sein Vater ihn zu seinem politischen Erben ernannt habe.

sug/reuters