Etwas mehr als ein Jahr hielt die bundesweit erste Koalition aus SPD und BSW in Brandenburg. Nun ist die Koalition Geschichte: Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat in Potsdam erklärt, künftig ohne das BSW weiterregieren zu wollen. »Der Zerfall dieser Landtagsfraktion setzt sich weiter fort«, sagte Woidke. »Durch diesen Zerfall ist die Basis für die Zusammenarbeit in einer Koalition nicht mehr gegeben.« Die sachorientierte Arbeit in der Regierung sei »von den ständigen Auseinandersetzungen innerhalb des BSW überschattet« worden.
Zuvor hatte die Koalition wegen des Austritts dreier BSW-Landtagsabgeordneter ihre Mehrheit verloren – und zugleich ein Bekenntnis zur Koalition mit der SPD verweigert. Es sei nicht zwischen SPD und BSW gestritten worden, »sondern ausschließlich innerhalb der BSW-Fraktion, mit dem am Ende toxischen Ergebnis« sagte Woidke.
- Brüchiges Bündnis: Weitere Abgeordnete verlassen BSW-Fraktion – Regierung in Brandenburg verliert damit Mehrheit
- Koalitionskrise in Potsdam: Brandenburgs Vizeministerpräsident Crumbach tritt aus BSW aus Von Marc Röhlig
- Zoff in Brandenburg: BSW-Fraktion will Rederecht der abtrünnigen Abgeordneten beschränken
Woidke kündigte an, dass seine Regierung weiterhin arbeitsfähig sei und weitermachen werde. Auch die drei Ministerinnen und Minister des BSW würden sein Vertrauen genießen und im Amt bleiben. »De facto« werde er nun zunächst in einer Minderheitsregierung weiterarbeiten, »in den nächsten Wochen und Monaten« wolle er aber Gespräche mit der CDU führen, um eine neue, mögliche Koalition mit eigener Mehrheit zu schmieden.
»Wir als BSW haben uns stets vertragskonform verhalten«
Die Rot-lila-Regierung hatte zusammen eine knappe Mehrheit von zwei Stimmen – insgesamt 46 der 88 Sitze im Landesparlament. Mit dem Ausscheiden dreier BSWler aus der Fraktion brach die Mehrheit. Die CDU-Fraktion kommt auf zwölf Sitze – eine schwarz-rote Regierung hätte genau die Hälfte aller Sitze im Landtag, aber mit den drei abtrünnigen BSW-Abgeordneten künftig erneut eine Mehrheit.
Am Montag hatte Robert Crumbach das BSW und die Fraktion verlassen. Mittlerweile wurde er in die SPD-Fraktion aufgenommen. Crumbach ist in Brandenburg stellvertretender Ministerpräsident unter Dietmar Woidke (SPD) und Finanzminister. Am heutigen Dienstag verließen auch die bereits aus dem BSW ausgetretenen Abgeordneten Jouleen Gruhn und André von Ossowski nach internem Streit ihre Fraktion.
Das BSW kritisierte die Austritte scharf. »Ihr Übertritt zur SPD ist ein Verrat an Wählern und stellt die Weichen in Brandenburg auf ein Weiter-so«, sagte die brandenburgische BSW-Vorsitzende Friederike Benda dem SPIEGEL. Die Absage Woidkes an die Koalition weist Benda zurück, ein eingefordertes Bekenntnis zur Regierung sei »absurd« gewesen. »Wir als BSW haben uns stets vertragskonform verhalten«, behauptet die BSW-Politikerin. Aber das BSW war und sei kein bequemer Koalitionspartner.
