SpOn 27.11.2025
16:29 Uhr

Boykottaufrufe gegen dm – Drogeriechef Christoph Werner warnt vor Polarisierung


Der Unternehmenschef der Drogeriemarktkette dm präzisiert seine Aussagen zum Umgang mit der AfD. Der Grund: Druck aus dem Netz. Seinen Kritikern reicht das nicht.

Boykottaufrufe gegen dm – Drogeriechef Christoph Werner warnt vor Polarisierung

Die Brandmauerdebatte wird für dm zum Problem. Im Netz kursieren Boykottaufrufe gegen die Drogeriemarktkette. Der Grund: eine Äußerung von Unternehmenschef Christoph Werner zum Umgang des Verbandes der Familienunternehmer mit der AfD. Der Verband hatte einen AfD-Politiker zu einer Abendveranstaltung eingeladen. Werner hatte der »Süddeutschen Zeitung« gesagt, grundsätzlich halte er es für statthaft, Parlamentarier aller im Bundestag vertretenen Parteien zu einem solchen Abend einzuladen. In die Entscheidung zur Teilnehmerliste für den parlamentarischen Abend sei er nicht eingebunden gewesen, sagte er.

In der Debatte der vergangenen Tage geriet nun Werner zunehmend unter Druck und sah sich zu einer weiteren, aktuellen Aussage veranlasst. In der Debatte über den Umgang mit der AfD plädiert der dm-Chef nun »für eine inhaltlich sachliche und tiefgründige Auseinandersetzung«. Und weiter: »dm lehnt eine polarisierende Brandmauer-Debatte ebenso entschieden ab wie Positionen der Partei AfD, welche die freiheitlich-demokratische Grundordnung infrage stellen«, erklärte der Vorsitzende der Drogeriemarktkette am Donnerstag in einem Statement, das dem SPIEGEL vorliegt. Zuvor hatte die »Süddeutsche Zeitung« (»SZ«) berichtet .

In der Stellungnahme von dm heißt es, die Überzeugung des Unternehmens sei, dass politische Debatten »mit Sorgfalt« geführt werden sollen. »Dass wir dafür kritisiert werden, bestätigt uns darin, dass die differenzierte Auseinandersetzung wichtig ist. Banalisieren, polarisieren und instrumentalisieren, bringen uns nicht weiter.«

Die Brandmauerdebatte wurde ausgelöst, weil sich der Verband der Familienunternehmer für Gespräche mit der AfD geöffnet hat. Präsidentin Marie-Christine Ostermann hatte im »Handelsblatt« erklärt, das »Kontaktverbot« zu AfD-Bundestagsabgeordneten sei aufgehoben worden.

In der Folge kündigten unter anderem die Drogeriekette Rossmann und der Hausgerätehersteller Vorwerk ihre Mitgliedschaften im Verband. Mehr dazu lesen Sie in der SPIEGEL-Analyse.

Verwirrung über Austritt aus Verband der Familienunternehmer

Die Frage zur Verbandsmitgliedschaft von dm sorgt nun ebenfalls für Aufruhr. Unternehmenschef Werner wurde von der »SZ« noch zu Wochenbeginn als Mitglied in dem Verband tituliert. Nun teilte das Unternehmen mit, man habe schon vor einiger Zeit den Austritt aus dem Familienunternehmer-Verband erklärt. In ihrer Stellungnahme schreibt dm: »Was den Verband ›Die Familienunternehmer e.V.‹ betrifft, möchten wir Folgendes klarstellen: Wie der Verband mit bestimmten Parteien umgehen möchte, muss er mit seinen Mitgliedern entscheiden. Wir haben unseren Austritt bereits vor vielen Monaten erklärt und sind daher nicht mehr Teil der internen Meinungsbildung.« Es stehe dem Unternehmen daher nicht mehr zu, dem Verband »Ratschläge zu erteilen.« Auf Nachfrage des SPIEGEL erklärte dm, dass es den Austritt nicht näher erläutern möchte.

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Kritiker werfen dem Unternehmen mangelnde Haltung zur AfD vor und fordern es auf, sich zur Brandmauer zu bekennen. In den sozialen Medien taten Nutzerinnen und Nutzer kund, dass sie künftig zum Konkurrenten Rossmann wechseln wollen. Die Kampagnen-NGO Campact startete auf Instagram eine Boykottaktion  gegen dm: »Hier bin ich Mensch – hier kauf ich NICHT mehr ein, wenn ihr weiter mit Rechtsextremen sprecht« und rief dort Nutzerinnen und Nutzer auf: »Tagge @dm_deutschland  hier in den Kommentaren oder kommentiere Posts auf deren Profil und fordere das Unternehmen auf, sich gegen die AfD und für die Brandmauer einzusetzen!«

Dass dm nun erklärt, dem umstrittenen Verband längst nicht mehr anzugehören, sorgt für weitere kritische Kommentare. Luise Neumann-Cosel, Kampagnen-Direktorin bei Campact, kommentiert die Mitteilung über den Austritt in einer Pressemitteilung: »Anfang der Woche ließ sich dm-Chef Christoph Werner zur Debatte über die Offenheit des Verbandes ›Die Familienunternehmer‹ gegenüber der AfD noch als Mitglied des Verbands in den Medien zitieren. Er zeigte dabei Verständnis für den Kurs der Verbandspräsidentin.« Neumann-Cosel weist auf die große Aufmerksamkeit für die Protestaktion in den sozialen Medien hin und erklärt: »Offenbar hat dies der Drogeriekette imponiert. Denn nun erklärt Werner plötzlich, dm sei schon vor Monaten aus dem Verband ausgetreten. Angeblich hätte man dies erst Ende des Jahres veröffentlichen wollen.«

Mehr zum Thema

Wie die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« am Mittwoch berichtete , hat Campact eine Mail an 36 Unternehmen verschickt, die aus Sicht der NGO Mitglied des Wirtschaftsverbandes sein könnten. In der Mail fordert Campact eine Stellungnahme.

kim/dpa