Im Fall von Vorwürfen des sexualisierten Machtmissbrauchs gegen einen ehemaligen Funktionär von Borussia Dortmund haben Ermittler nun Durchsuchungen eingeleitet. Die »Bild« berichtet, die Polizei habe das Haus des Tatverdächtigen in Herdecke im Ruhrgebiet in der vergangenen Woche durchsucht. Zuvor hatte das RedaktionsNetzwerkDeutschland (RND) über die Durchsuchungen berichtet.
In der vergangenen Woche sei es zu »Durchsuchungsmaßnahmen an der Privatanschrift des Beschuldigten gekommen. Hierbei sind technische Geräte beschlagnahmt worden«, sagte Oberstaatsanwalt Michael Burggräf dem Bericht zufolge. Zu möglichen Erkenntnissen aus der Durchsuchung äußerte er sich demnach nicht: »Die diesbezügliche Auswertung dauert an.«
Hintergrund der polizeilichen Maßnahme seien Anzeigen gewesen, die drei Männer gegen den inzwischen 87 Jahre alten Beschuldigten erstattet hätten, berichtet die »Bild«. Die Vorwürfe beziehen sich demnach auf Sexualstraftaten aus den Achtziger- und Neunzigerjahren. Die Ermittler prüfen den Berichten zufolge auch, ob die Delikte bereits verjährt sind.
BVB agierte zurückhaltend
Im April 2010 hatte ein Betroffener den Verein auf die mutmaßlichen Machenschaften eines Mannes hingewiesen, der beim BVB jahrelang in führenden Positionen gearbeitet hat. 13 Jahre später, im April 2023, rüttelte der Altfall Borussia Dortmund erneut durch. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte nach Einschätzung von Experten für sexualisierte Gewalt eine umfassende Aufarbeitung stattfinden müssen. Stattdessen agierte Borussia Dortmund auffallend zurückhaltend. Offenbar fürchtete der Bundesligaklub einen Imageschaden unter den Sponsoren.
Als der BVB Maßnahmen ergriff, bestritt der mutmaßliche Täter weiterhin alle Vorwürfe, stimmte seinem Vereinsaustritt aber schließlich zu. Er sitzt nicht mehr im Ältestenrat des Vereins, und auch das Arbeitsverhältnis als geringfügig Beschäftigter, das er bis zuletzt hatte, löste der Verein auf.
Durch einen Beitrag in der »Bild am Sonntag« war der Fall im Oktober 2025 an die Öffentlichkeit gekommen. Inzwischen haben sich weitere Betroffene gemeldet. Borussia Dortmund hat eine Kanzlei mit der Aufarbeitung der Vorfälle beauftragt.
Die Staatsanwaltschaft in Hagen ermittelt gegen den ehemaligen BVB-Manager. Gegen den 87-jährigen Mann wurde ein Verfahren wegen möglicher Sexualstraftaten eingeleitet. Der Mann bestreitet die Vorwürfe.
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