SpOn 20.12.2025
18:36 Uhr

Blue Origin: Deutsche reist als erste Rollstuhl-Fahrerin ins All


Erstmals waren zwei Deutsche mit einer Rakete von Jeff Bezos’ Raumfahrtunternehmen Blue Origin im All. Darunter auch die querschnittsgelähmte Ingenieurin Michaela Benthaus.

Blue Origin: Deutsche reist als erste Rollstuhl-Fahrerin ins All

Zum ersten Mal ist mit der Deutschen Michaela Benthaus eine querschnittsgelähmte Person für kurze Zeit im All gewesen. Die Ingenieurin, die bei der europäischen Raumfahrtbehörde Esa arbeitet, war Teil einer sechsköpfigen Gruppe, die mit dem kommerziellen US-Raumfahrtunternehmen Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos gereist ist.

Eine Liveübertragung im Internet zeigte den erfolgreichen Start und die Landung der Mission »New Shepard NS-37« nach einem etwa zehnminütigen Flug. Mit dem ehemaligen Raumfahrtingenieur Hans Königsmann befand sich noch ein zweiter Deutscher mit an Bord.

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Benthaus bezeichnete den Ausflug ins All nach der Landung als »coolste Erfahrung aller Zeiten«. Die gebürtige Kielerin ist seit einem Mountainbike-Unfall im Jahr 2018 gelähmt und sitzt im Rollstuhl. Der Weltraum fasziniere sie, seit sie als Kind »Star Wars« gesehen habe, hatte die 33-Jährige vorab gesagt. »Man soll seine Träume nie aufgeben«, so Benthaus. »Es gibt manchmal die kleine Chance, dass sie wahr werden.«

Der neue Chef der US-Raumfahrtbehörde Nasa, Jared Isaacman, gratulierte zu der Premiere und beglückwünschte Benthaus zu ihrer Ausdauer. »Sie haben Millionen Menschen inspiriert«, schrieb er auf X. Es war der 16. bemannte Trip für Bezos‘ Weltraum-Tourismus-Unternehmen und der erste derartige Ausflug mit zwei Deutschen an Bord. Außer den beiden waren noch vier amerikanische Unternehmer dabei.

Weltraumtourismus für Superreiche

Der weitgehend automatisierte Ausflug hat die sechs Teilnehmer auf eine Höhe von rund hundert Kilometern geführt, inklusive einer kurzen Phase der Schwerelosigkeit. Der erste Startversuch war am Donnerstag weniger als eine Minute vor dem geplanten Abheben der Rakete abgesagt worden. Es habe »ein Problem mit unseren eingebauten Überprüfungen vor dem Flug« gegeben, hieß es.

Die Blue-Origin-Raketenflüge für zahlungskräftige Kunden stehen vor allem wegen ihres geringen wissenschaftlichen Nutzens, der Wirkung auf Umwelt und Klima sowie des elitären Charakters in der Kritik. Es handle sich um unnötigen Weltraumtourismus für Superreiche, so der Vorwurf.

Blue Origin bietet die Kurztrips für Touristen seit einigen Jahren an. Etwa 80 zahlungskräftige Kunden waren Angaben des Unternehmens zufolge bisher an Bord, darunter die Musikerin Katy Perry und der Schauspieler William Shatner. Beim ersten Flug 2021 war Gründer Bezos selbst dabei. Zu den genauen Ticketpreisen äußert sich sein Unternehmen nicht.

skr/AFP/dpa