Die Aufarbeitung Tausender Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche kommt einen Schritt weiter: Drei Jahre lang hat ein Team an der Missbrauchsstudie für das Bistum Passau gearbeitet. Jetzt liegen die Ergebnisse vor: Laut der Nachrichtenagentur KNA wurden in Passau seit 1945 mindestens 672 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht oder körperlich von Geistlichen misshandelt.
Die Universität Passau veröffentlicht am Montag die Ergebnisse einer Aufarbeitungsstudie mit dem Titel »Sexueller Missbrauch und körperliche Gewalt. Übergriffe auf Minderjährige durch katholische Geistliche im Bistum Passau 1945 bis 2022«. Leiter war der Historiker Marc von Knorring.
Mindestens 154 Beschuldigte oder überführte Täter
Laut von Knorring waren nicht nur die mindestens 154 Beschuldigten oder überführten Täter verantwortlich. Grund seien auch »Denk- und Handlungsweisen innerhalb des Systems Kirche« gewesen. Sie hätten in der Vergangenheit dazu geführt, dass in vielen Fällen der Schutz der Institution und Priesterschaft über das Wohl von Betroffenen gestellt worden sei.
Viele Betroffene litten ihr Leben lang unter diesen Erfahrungen und deren Folgen, so Professor Marc von Knorring. Ziel der Studie sei es, die Menschen in ihrem Kampf um Anerkennung und angemessene Würdigung zu unterstützen. Zudem solle die Gesellschaft für das Thema sensibilisiert werden. Seit 2010 habe das Bistum aber nach und nach vieles an Prävention und Aufarbeitung geleistet. Erst in diesem Frühjahr wurde ein Pfarrer suspendiert. Er soll mit seinen Schützlingen exzessiv Alkohol getrunken und Grenzen überschritten haben.
Späte Aufarbeitung
Ende November hatten die Forscher die Studie bereits der Unabhängigen Aufarbeitungskommission und dem Unabhängigen Betroffenenbeirat des Bistums sowie Bischof Stefan Oster übergeben.
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Hintergrund ist die im Jahr 2018 veröffentlichte sogenannte MHG-Studie der katholischen Kirche in Deutschland. Diese listete Tausende Missbrauchsfälle, Täter und Opfer auf. In der Folge begannen die Bistümer mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung, darüber hinaus gab und gibt es für Betroffene Anerkennungsleistungen.
