Das Bistum Erfurt hat einen Pfarrer in der Region Eichsfeld wegen des Verdachts sexualisierter Grenzverletzungen gegenüber Jugendlichen vorläufig vom Dienst freigestellt. Im Zuge einer ohnehin geplanten Versetzung in eine andere Pfarrei seien der Bistumsleitung Hinweise auf anzügliche Bemerkungen des Geistlichen zu Jugendlichen mitgeteilt worden, teilte das Bistum auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit.
Des Weiteren habe die Bistumsleitung Videos mit Auftritten des Pfarrers erhalten, »in denen seine für einen Priester inakzeptable und beschämend vulgär-obszöne Ausdrucksweise dokumentiert ist«.
Der Pfarrer befinde sich auf Anordnung von Bischof Ulrich Neymeyr in einer Auszeit. Danach werde entschieden, ob er weiterhin seelsorgerisch tätig sein könne. Bischof Neymeyr hatte die Kirchengemeinde am Freitag offiziell über die Vorwürfe und die vorläufige Freistellung des Pfarrers informiert.
Menschen starteten Petition gegen Versetzung des Priesters
Der Geistliche war demnach 20 Jahre in der Pfarrei Lengenfeld unterm Stein tätig und habe in der Gemeinde als sehr beliebt gegolten. Er sollte in den Kreis Sömmerda wechseln. »Im Bistum Erfurt ist es durchaus üblich, dass Pfarrer nach zehn und mehr Jahren die Stelle wechseln, um anderswo neue Erfahrungen zu sammeln«, heißt es in einer Erklärung des Bistums.
Im konkreten Fall spielten laut Bistum aber auch Verdachtsmomente finanzieller Unregelmäßigkeiten eine Rolle. In der neuen Pfarrei hätte der Pfarrer eine Stelle angetreten, in der er keine Entscheidungsgewalt in Finanzfragen gehabt hätte, hieß es.
Nachdem die geplante Versetzung im April bekannt geworden sei, hätten mehrere Hundert Menschen eine Petition für seinen Verbleib unterschrieben, teilte das Bistum mit. Als der Bistumsleitung in diesem Zusammenhang die Vorwürfe von Jugendlichen bekannt geworden seien, sei die Versetzung gestoppt worden.
Bistum sieht keine strafrechtliche Relevanz – Jugendamt wohl schon
Auch Regionalzeitungen und der MDR berichteten über den Fall . Nachdem bekannt geworden war, dass der Pfarrer nach Sömmerda versetzt werden sollte, hätten sich Betroffene gemeldet und von mutmaßlichen Übergriffen berichtet, heißt es in einem MDR-Beitrag .
Nach Auskunft des Jugendamts sei einer der Vorwürfe strafrechtlich relevant. Dabei gehe es um ein Video, das der Pfarrer einem Betroffenen geschickt haben soll. Das Video liege Jugendamt und Bistum vor, heißt es in dem MDR-Bericht. Demnach wollen die Betroffenen nach Angaben des Jugendamts keine Anzeige erstatten.
Das Bistum schätze die Vorwürfe als nicht strafrechtlich relevant ein, schreibt die Nachrichtenagentur dpa. Allerdings beginne sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen nach sozialwissenschaftlicher Definition bereits bei anzüglichen Bemerkungen und mehrdeutigen Nachrichten, berief sich das Bistum auf die unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen.
Disput über Kommissionsbericht
Die Bistumsleitung steht beim Thema Missbrauch unter Druck. Im Zuge des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche gibt es auch im Bistum Erfurt seit Längerem eine Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs. Diese Kommission veröffentlichte im März 2026 einen Jahresbericht 2025, in dem sie das Vorgehen des Bistums und Verantwortlicher scharf kritisiert .
Bischof Neymeyr hatte die Veröffentlichung kritisiert: Der Bericht sei als Zwischen- beziehungsweise »Werkstattbericht« nicht zur Veröffentlichung vorgesehen, sagte Neymeyr laut MDR den Thüringer Zeitungen der Funke Mediengruppe.
