Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Die katholischen Bischöfe wählten den 64-Jährigen am Dienstag bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Würzburg. Wilmer folgt auf den Limburger Bischof Georg Bätzing, der das Amt sechs Jahre lang innehatte.
Wilmer steht seit 2018 an der Spitze des Bistums Hildesheim. Der Ordensmann aus dem Emsland gilt zwischen Konservativen und Reformern als Vermittler, der auf Beteiligung und Dialog setze, schreibt die katholische Nachrichtenagentur KNA.
In Wilmers Bistum gibt es alternative Leitungsmodelle auch mit Frauen in Führungspositionen; immer wieder hat sich Wilmer auch für eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral eingesetzt. Die Möglichkeit zur Segnung homosexueller Paare begrüßte er in der Vergangenheit ausdrücklich .
Gleichzeitig setzt sich der 64-Jährige aber auch stark für das Thema Evangelisierung ein, das konservativen Bischöfen traditionell wichtig ist. Wilmer hat zum Beispiel gesagt, dass sogar viele Katholiken heute daran zweifelten, dass es ein Leben nach dem Tod gebe oder dass Jesus der Sohn Gottes sei. Fundamentale Glaubensfragen müssten deshalb neu in den Blick genommen werden, so Wilmer.
Die Katholiken im Land bezeichnete er nach seiner Wahl als »das lebendige Gesicht der Kirche.«
Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen
Mit 19 Jahren trat Wilmer in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester ein. Er studierte Theologie und weitere Geisteswissenschaften in Freiburg, Paris und Rom. Später arbeitete er zeitweise als Lehrer in der New Yorker Bronx und als Schulleiter eines katholischen Gymnasiums im Emsland. 2015 wechselte er nach Rom, wo er als Generaloberer die weltweite Leitung des Ordens übernahm und enge Kontakte in den Vatikan knüpfte.
Bundesweit profilierte sich Wilmer zuletzt mit gesellschaftspolitischen Stellungnahmen, etwa zu Demokratie, Sozialstaat und Klimaschutz, so die Nachrichtenagentur KNA. In der Bischofskonferenz leitete er bisher die Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen.
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Im Januar hatte Bischof Georg Bätzing bekannt gegeben, sein Amt abzugeben. »Ich habe mich dazu nach Beratung und reiflicher Überlegung entschieden«, teilte der Bischof von Limburg in einem Schreiben an die Mitglieder der Bischofskonferenz ohne genauere Angaben zu den Gründen mit.
Gegen den 64-Jährigen gab es innerhalb des Gremiums seit längerer Zeit Widerstand. Er ist entschiedener Befürworter eines Reformkurses in der Kirche. Bätzing macht sich zum Beispiel dafür stark, dass Frauen Diakoninnen werden dürfen – eine Vorstufe zum Priesteramt. Auch will er Laien, also normale Gläubige ohne klerikales Amt, stärker an Entscheidungen beteiligen.
