Österreich möchte Schüler und Schülerinnen fit für die Zukunft machen. Dazu sollen ab dem nächsten Schuljahr künstliche Intelligenz (KI) und ein eigenes Schulfach »Medien und Demokratie« auf den Lehrplan kommen. Gekürzt werde laut Bildungsminister Christoph Wiederkehr künftig bei Sprachen wie Latein.
Der Bildungsminister krempelt derzeit die Lehrpläne für Österreich um. Schon im November hatte er bei seiner Grundsatzrede angekündigt, es brauche eine »Entrümpelung« dessen, was in der Schule gelernt wird. Einen »Plan Z« kündigte er für den März an. Doch schon jetzt wird die Stoßrichtung der Reformen klar: mehr ChatGPT, weniger Fremdsprachen.
Statt zwölf Stunden Latein sollen es am Gymnasium in der Oberstufe nur noch acht sein, bestätigte das Bildungsministerium einen Bericht der »Kronen Zeitung«. Pro Schulstufe sollen also in den meisten Fällen nur noch zwei statt drei Stunden Latein pro Woche auf dem Stundenplan stehen. In den Realgymnasien, wo die Schüler zwischen Latein und einer zweiten lebenden Fremdsprache wählen können, sollen ebenfalls Stunden gestrichen werden, wenn auch in geringerem Ausmaß.
Schritt ins 21. Jahrhundert?
Widerstand kommt laut örtlichen Medien vor allem von Lehrervertretern. Ein Gewerkschafter spricht von einem »Anschlag auf das Gymnasium«. In Zeiten von Globalisierung bei Sprachen einzusparen, sende das falsche Signal. Aus dem Bildungsministerium in Wien heißt es dazu: Schulen hätten den Auftrag, Jugendliche auf das wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Leben vorzubereiten. Dazu meint der Sektionschef im Ministerium, Martin Netzer: »Wir müssen diesen Schritt ins 21. Jahrhundert machen, ohne Latein als wichtige kulturelle Sonde unserer Vergangenheit über Bord zu werfen.«
Laut Bildungsminister Wiederkehr von den liberalen Neos besteht das Ziel der Reform unter anderem darin, das Wissen über KI sowie den kritischen Umgang mit der Technologie zu stärken. Lob für den Vorstoß kam aus der Industrie. Auch das Uno-Kinderhilfswerk Unicef sieht eine »positive Entwicklung«, die dazu beitragen könne, »dass jedes Kind den sicheren Umgang mit dem Internet und sozialen Medien erlernt«.
Auch in Deutschland ist künstliche Intelligenz in die Klassenzimmer gezogen. In NRW sollen Abiturientinnen und Abiturienten ab 2030 KI-Tools in Prüfungen einsetzen können. Mehr dazu lesen Sie hier .
