Sie ist eine Art Seismograf für die Nöte an Deutschlands Schulen: die jährliche Befragung von mehr als 1000 Schulleiterinnen und Schulleitern in Deutschland im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE). Zu den größten Problemen zählt demnach weiterhin die Personalnot. Rein rechnerisch sind der Umfrage zufolge an jeder Schule in Deutschland im Schnitt 1,4 Lehrerstellen nicht besetzt; das sind etwas mehr als im Vorjahr.
Allerdings bestehen von Schule zu Schule erhebliche Unterschiede. Knapp die Hälfte der Schulen konnte zum Schuljahresbeginn 2025/26 alle Stellen besetzen, an anderen Schulen fiel der Lehrkräftemangel dafür umso größer aus:
Bei 15 Prozent der Schulen war eine Stelle nicht besetzt.
Bei zwölf Prozent der Schulen waren zwei Stellen vakant.
Bei weiteren 15 Prozent gab es drei oder mehr unbesetzte Stellen.
Etwa jede zehnte Schulleitung konnte keine Angabe zu unbesetzten Stellen machen.
Besonders hart trifft es die Förderschulen
Förderschulen sind der Umfrage zufolge überdurchschnittlich vom Lehrermangel betroffen. Hier konnten im Schnitt 4,1 Stellen nicht besetzt werden. Der VBE mahnt, auch hier gelte: Fast ein Viertel der Förderschulen habe alle Stellen besetzen können. Dort, wo Mangel herrsche, treffe es die Schulen also umso härter.
Bundesweit gibt ein Viertel der Schulleitungen an, ihre Schule werde künftig sehr stark vom Lehrkräftemangel betroffen sein. Das sind zwar deutlich weniger als bei der Umfrage im Jahr 2022, als der Wert noch bei 43 Prozent lag. Dennoch bleibe die Einschätzung der Schulleitungen »alarmierend«, teilt der VBE mit. Auch hier seien Förderschulen besonders belastet: 43 Prozent dieser Schulleitungen erwarten, zukünftig sehr stark durch den Lehrkräftemangel betroffen zu sein.
»Der Lehrkräftemangel bleibt das Problem unserer Zeit«, mahnt der stellvertretende Vorsitzende Tomi Neckov. Die Politik dürfe sich nicht darauf verlassen, dass sich die Lage angesichts der demografischen Entwicklung und sinkender Kinderzahlen perspektivisch womöglich entspannen werde: »Wir brauchen die Entlastung jetzt und nicht später.«
Den Lehrkräftemangel zu beheben, müsse weiterhin zentrale Aufgabe der Bildungspolitik sein, so Neckov. »Der Beruf muss attraktiver werden. Wir brauchen bessere Arbeitsbedingungen, mehr Gestaltungsspielraum an der Schule, eine zeitgemäße Ausbildung für Lehrkräfte und eine angemessene Bezahlung.«
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Für die Umfrage hatte das Meinungsforschungsinstitut Forsa 1.312 Schulleitungen in Deutschland befragt. Dabei wurden die Teilnehmenden zunächst offen und ohne jede Vorgabe danach gefragt, welches aus ihrer Sicht zurzeit die größten Probleme an ihrer Schule sind. 51 Prozent nannten den Lehrkräftemangel.
Mit etwas Abstand folgten Probleme mit Inklusion und Integration, die von 29 Prozent der Schulleitungen genannt wurden. Knapp ein Viertel sieht unter den größten Problemen die Schulgebäude und die Räume. Etwas weniger als ein Fünftel der Schulleitungen zählt die Arbeitsbelastung beziehungsweise den Zeitmangel zu den größten Problemen.
Ambivalentes Verhältnis zu Eltern
Für ein Fünftel der Schulleitungen gehören auch die Eltern der Schülerinnen und Schüler dazu. Dieser Wert hat sich in den vergangenen Jahren stetig erhöht. 2018 lag er noch bei zwölf Prozent. Warum die Eltern konkret als Problem gesehen werden, wird in der Umfrage nicht erhoben, heißt es auf Nachfrage vom VBE.
Neckov sagt, in der Regel bewegten sich die Probleme zwischen zwei Extremen: »Es gibt Eltern, die kaum in die Schule zu bekommen sind, um mit ihnen über etwaige Probleme ihrer Kinder zu sprechen.« Andere Eltern hingegen sorgten für Unruhe, weil sie »jede Note anzweifeln und mit dem Anwalt in die Schule kommen«. Beides sei herausfordernd, so Neckov. Allerdings zeigt die Umfrage auch, dass sich 39 Prozent der Schulleitungen bei ihrer Arbeit stark oder sehr stark von Eltern unterstützt fühlen.
Insgesamt klagen fast alle Schulleitungen über: ein stetig wachsendes Aufgabenspektrum und steigende Verwaltungsarbeiten. Mehr als 90 Prozent der Schulleitungen finden zudem »die Anspruchshaltung, dass die Schule alle aufkommenden gesellschaftlichen Probleme lösen soll«, belastend.
Allen Widrigkeiten zum Trotz erklärt die große Mehrheit der Schulleiterinnen und Schulleiter (85 Prozent), sie würden ihren Beruf sehr gern oder eher gern ausüben. Nur rund die Hälfte würde ihn jedoch aktiv weiterempfehlen.
Warum so viele Schulleitungsposten unbesetzt sind und was Menschen motiviert, das Amt engagiert auszufüllen, lesen Sie hier .

