SpOn 02.02.2026
12:57 Uhr

Bier: In Deutschland wird immer weniger Bier getrunken


Der Bierdurst in Deutschland ist offenbar weiter gesunken. Deutsche Brauereien erlebten 2025 den größten Absatzrückgang seit 1993. Viele Betriebe sind nicht mehr flüssig. Hoffnung machen der Branche alkoholfreie Getränke.

Bier: In Deutschland wird immer weniger Bier getrunken

Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland halten sich beim Biertrinken zurück: Der deutsche Markt ist im vergangenen Jahr so stark geschrumpft wie noch nie seit Beginn der Zeitreihe 1993. Mit 7,8 Milliarden Litern lag der Absatz sechs Prozent unter dem Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Veltins-Chef Volker Kuhl sieht die Braubranche vor einer »Zäsur, in deren Folge immer öfter Brauereien aufgeben müssen«.

Schon 2025 legte das Tempo der Betriebsschließungen und Übernahmen zu. Vielen Unternehmen fehle schlicht das Geld für Investitionen, sagt Veltins-Manager Kuhl. »Der Nachhall der Mengenverluste ist für Deutschlands Brauer bitterer als jeder Hopfen, weil er vielerorts dringend benötigte Liquidität kostete.« Viele Brauereien sind nicht mehr flüssig, um etwa neue Abfüllanlagen oder effizientere Energieanlagen zu bezahlen.

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Der Bierabsatz geht schon seit 1994 – damals lag der Absatz bei 11,5 Milliarden Litern – mit leichten Schwankungen zurück, die strukturellen Gründe bleiben die gleichen: Deutschlands Gesellschaft wird im Durchschnitt immer älter, und Trends zum gesünderen Lebensstil sind ungebrochen. »Gerade bei vielen jüngeren Menschen sehen wir einen bewussteren Umgang mit Gesundheit. Alkohol spielt für einen wachsenden Teil keine oder nur noch eine untergeordnete Rolle«, erklärte der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck.

Nach Einschätzung des Deutschen Brauerbunds (DBB) bekommen die Brauereien ähnlich wie Handel und Gaststätten nun zusätzlich die massive Konsumzurückhaltung der Verbraucher zu spüren. Die Situation der Gastronomie sei weiterhin besorgniserregend, viele Betriebe hätten sich seit der Coronapandemie nicht erholt. Auch die große Marktmacht des Handels bleibe für die Braubranche ein Problem, sagt DBB-Hauptgeschäftsführer Holger Eichele.

Mittelständler wie die Darmstädter Privatbrauerei setzen darauf, dass die Verbraucher für regionale Produkte vielleicht doch einen Euro mehr zu zahlen bereit sind. »Leider gibt es aus den Großbrauereien immer noch Angebote für unter 10 Euro den Kasten. Das ist einfach nicht nachhaltig«, sagt Brauereichef Wolfgang Koehler. Er hat wie viele andere auch das Sortiment ausgeweitet: Unter der Marke »Bräustüb'l« werden mittlerweile auch vier alkoholfreie Biere und demnächst Cola-Mixgetränke angeboten.

Markus Söder und Friedrich Merz im Januar 2025 auf einer Wahlkampfveranstaltung mit Weißwurstfrühstück

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Foto: Maximilian Mann / laif

Weil keine Biersteuer anfällt, sind alkoholfreie Biere wie auch Malzgetränke nicht in der Statistik enthalten. Für die Branche sind die alkoholfreien Sorten der Hoffnungsschimmer. Im vergangenen Jahr hingen im Handel bereits mehr als zehn Prozent des Umsatzes daran, im laufenden Jahr soll diese Schwelle auch beim Marktanteil erreicht werden, wie der Brauerbund berichtet. Deutschland sei mittlerweile zum größten europäischen Markt für Alkoholfreies geworden.

Der Löwenanteil von 82,5 Prozent des abgesetzten Bieres wurde im Inland verkauft. Hier betrug der mengenmäßige Rückgang 5,8 Prozent. Die restlichen 17,5 Prozent wurden zwar erfasst, aber nicht versteuert, weil sie in den Export oder als sogenannter Haustrunk an die Beschäftigten der Brauereien gegangen sind.

Der Brauerbund erwartet, dass auch 2026 ein sehr forderndes Jahr für die gesamte Getränke- und Lebensmittelwirtschaft wird. Hauptgeschäftsführer Eichele verlangt eine verlässlichere und wettbewerbsfähige Energiepolitik, um die Betriebe zu unterstützen.

svs/dpa