SpOn 14.02.2026
14:21 Uhr

Bibliotheken: Das bekommen Sie kostenlos, wenn Sie einen Bücherausweis haben


In deutschen Bibliotheken lassen sich nicht nur Bücher ausleihen. Mit einem entsprechenden Ausweis können Sie auch gratis ein Musikstudio, einen 3D-Drucker oder Streamingdienste nutzen. Ein Überblick über besondere Angebote.

Bibliotheken: Das bekommen Sie kostenlos, wenn Sie einen Bücherausweis haben

In Deutschland gibt es mehr als 8000 Bibliotheken. Die allermeisten verleihen Bücher – doch in vielen Städten haben sie Angebote, die weit darüber hinausgehen.

Eine von ihnen ist die Philipp-Schaeffer-Bibliothek in Berlin. Hier gibt es den »Makerspace« mit unterschiedlichen Geräten, mit denen getüftelt, gebastelt und gebaut werden kann. Darunter sind ein 3D-Drucker, ein Lasercutter, Textilpressen und klassische Nähmaschinen.

Berlin: Basteln und Tüfteln im »Makerspace«

An bestimmten Terminen  alle paar Wochen kann man die Geräte frei nutzen. Für manche benötigt man eine Art Führerschein, den man in einem separat angebotenen Workshop absolvieren kann. Das soll die fachgerechte Handhabung der Geräte gewährleisten. Das Mindestalter beträgt 16 Jahre.

Der Bibliotheksausweis ist in vielen Städten ein echter Türöffner für kostenlose Angebote. Der Ausweis selbst kostet eine kleine Gebühr, bundesweit ist diese unterschiedlich hoch. In Berlin ist der Preis mit einem jährlichen Betrag von zehn Euro für Erwachsene verhältnismäßig gering, Kinder und Jugendliche zahlen in der Hauptstadt nichts.

Sogenannte »Makerspaces« gibt es auch an anderen Orten, zum Beispiel im Kulturforum im hessischen Hanau. Jenen in der Philipp-Schaeffer-Bibliothek im Berliner Bezirk Mitte gibt es seit 2019. »Wir wollen mit dem Angebot ermöglichen, dass Menschen neue Dinge ausprobieren können, ohne direkt viel Geld ausgeben zu müssen«, sagt Bibliotheksleiterin Patricia Schöler dem SPIEGEL.

Die Bibliothek bietet auch unterschiedliche Workshops an, zum Beispiel zum Nähen oder Sticken. Schöler beobachtet, dass der Bedarf nach solch analogen Aktivitäten seit dem vergangenen Jahr gestiegen sei. »Ich vermute, dass viele ihre Freizeit wieder lieber offline und gemeinsam mit anderen verbringen möchten als mit ihrem Handy auf der Couch.«

Hamburg: Bibliotheken der Dinge

Nicht immer alles direkt kaufen zu müssen, darum geht es auch bei sogenannten Bibliotheken der Dinge. Schon der Name legt nahe, dass man hier Gegenstände und keine Bücher ausleihen kann. In Deutschland gibt es über 100 dieser Bibliotheken, allein in Hamburg gibt es fünf .

Angeboten werden etwa Bohrmaschinen. Eine solche auszuleihen statt zu kaufen liegt eigentlich nahe – bohrt eine Bohrmaschine in ihrem Leben durchschnittlich nur rund 13 Minuten, den Rest der Zeit liegt sie im Schrank. Auch für größere Projekte gibt es hier Material: In den Hamburger Bibliotheken der Dinge werden unter anderem ein Laser-Entfernungsmessgerät oder eine Wildkamera angeboten.

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Das Konzept der Bibliothek der Dinge entspricht der Idee der sogenannten Shareconomy: Inzwischen lässt sich so gut wie alles tauschen, teilen und leihen. Sei es die Bluse, der Tennisschläger oder der Schlafplatz auf dem Sofa. Das ist meistens nicht nur günstiger, sondern auch nachhaltiger.

Frankfurt: »Musikbibliothek« bietet besondere Instrumente

Auch in Frankfurt am Main gibt es zwei Bibliotheken der Dinge – darunter auch eine besondere: Die »Musikbibliothek«  liegt im Untergeschoss der Zentralbibliothek und bietet neben Notenbüchern auch Instrumente wie Keyboards, Gitarren und eine Harfe an. Seltene Exemplare sind ebenfalls im Bestand, etwa das chinesische Zupfinstrument Liuqin oder die traditionelle indische Trommel Tabla. Wer also mal ein neues Instrument ausprobieren möchte, kann sich hier eines leihen, anstatt tief in die Tasche greifen zu müssen.

München: Im »Musik Lap« einen Song aufnehmen

Musikalisch geht es auch in der Münchner Stadtbibliothek zu. Im ersten Geschoss befindet sich das »Musik Lap«, ein voll ausgestattetes Tonstudio. Jeder ab 16 Jahren mit gültigem Bibliotheksausweis kann dieses kostenlos mieten. In dem schallisolierten Raum stehen unter anderem Aufnahmegeräte, Mikrofone und einige Instrumente kostenlos zur Verfügung, wie auf der Internetseite  nachzulesen ist.

Alle paar Monate findet zudem in dem Tonstudio das Projekt »Track and Field« statt. Hierbei können Nachwuchsmusiker ihre eigenen Songs aufnehmen, gleichzeitig wird die Session per Video aufgezeichnet. Die Musikvideos, die dabei entstehen, werden im Netz hochgeladen.

Onlinebibliotheken: Kostenloses Streaming

Im Internet gibt es im Übrigen auch andere, besondere Angebote, die man mit einem Bibliotheksausweis nutzen kann. Beispielsweise bieten viele Bibliotheken neben Streamingdiensten für Musik und Filme auch Sprachlernprogramme wie »Rosetta Stone« auf ihren Websites an. Hier lassen sich außerdem auch Pressearchive finden und Medien wie die »Zeit«, die »Süddeutsche Zeitung« und das Magazin »Stern« lesen.

Auch der SPIEGEL ist dort zu finden. Ein Blick lohnt sich also in jedem Fall.