Lange hieß es, junge Menschen könnten sich ihre Jobs aussuchen, Fachkräftemangel sei Dank. Doch schon seit Längerem scheint sich der Wind am Arbeitsmarkt für Berufseinsteiger gedreht zu haben: Noch nie waren so viele junge Akademikerinnen und Akademiker arbeitslos, zeigten im vergangenen Jahr etwa Zahlen der Bundesagentur für Arbeit .
Wie blicken Personalmanager deutscher Unternehmen in der aktuellen Konjunkturflaute auf Berufseinsteiger? Dazu befragte das Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad im vierten Quartal 2025 rund tausend Personalverantwortliche.
Die deutliche Mehrheit der befragten Unternehmen gab an, die aktuelle konjunkturelle Lage habe keinen Einfluss auf die Entscheidung, ob sie eher Berufseinsteiger oder Berufserfahrene einstellen möchten. Das sagten 81 Prozent der Befragten. Etwa 15 Prozent der Unternehmen würden sich in der momentan schwierigen wirtschaftlichen Lage hingegen eher für Berufserfahrene entscheiden.
Konstante Stellenzahl für Berufseinsteiger
Entsprechend sei die Zahl der Stellen für Berufseinsteiger in den befragten Unternehmen bislang stabil geblieben. Fast zwei Drittel gaben an, in den vergangenen drei Jahren habe es keine Veränderungen gegeben. Auch für die kommenden drei Jahre rechnen die meisten mit einer gleichbleibenden Stellenanzahl. Knapp jeder fünfte Teilnehmer (19 Prozent) ging jedoch von weniger Berufseinsteigern in diesem Zeitraum aus. Als Hauptgründe für weniger Einstiegsstellen wurden ein geringerer Personalbedarf sowie Automatisierung und Digitalisierung, etwa durch künstliche Intelligenz (KI), genannt.
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Dass KI in klassischen Tätigkeitsfeldern von Berufseinsteigern an Bedeutung gewinnt, zeichnet sich der Umfrage zufolge schon jetzt ab: Bereits 14 Prozent der Unternehmen setzten KI-Modelle ein, um Aufgaben von Berufsanfängern zu übernehmen. In den kommenden drei Jahren rechnen 40 Prozent damit, dass KI derartige Aufgaben übernehmen wird. Bei Großunternehmen liegt dieser Anteil sogar bei 63 Prozent.
Die Befragung gibt auch Aufschluss darüber, welche Fähigkeiten Berufseinsteiger vorwiegend mitbringen sollten: Soft Skills sind demnach wichtiger als Hard Skills. Knapp zwei Drittel der Unternehmen bezeichneten etwa Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie Selbstorganisation und Verantwortungsbewusstsein als wichtige Kompetenzen bei Berufseinsteigern. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) nannte zudem Lern- und Anpassungsfähigkeit. Fachkenntnisse erwartete knapp jedes zweite Unternehmen. Dabei stünden fachspezifische Grundlagenkenntnisse und digitale Kompetenzen im Fokus.
