SpOn 28.01.2026
11:06 Uhr

Bertelsmann Stiftung: Mehrheit der Kitakinder wird nicht optimal betreut


Nur jede siebte Kita hat ausreichend Personal für ihren Bildungsauftrag. Nachholbedarf gibt es insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern. Aber auch Hessen und das Saarland stechen negativ hervor.

Bertelsmann Stiftung: Mehrheit der Kitakinder wird nicht optimal betreut

Nur eine Minderheit der Kitas in Deutschland ist einer Studie zufolge mit der optimalen Personalstärke ausgestattet, um für alle Kinder gute Bildung und Betreuung zu gewährleisten. Nur gut jede siebte Einrichtung verfüge über die wissenschaftlich empfohlene volle Personalausstattung, berichteten die Bertelsmann Stiftung und das Österreichische Institut für Familienforschung  (ÖiF) an der Uni Wien.

Erheblicher Personalmangel könne zu »pädagogisch unangemessenem Handeln der Fachkräfte« aufgrund von Überlastung führen, sagte Bildungsexpertin Kathrin Bock-Famulla. Viele Fachkräfte selbst sagten, dass sie wegen anhaltender Unterbesetzung nicht in der Lage seien, ihren Bildungsauftrag zu erfüllen. Negative Folgen könne das zum Beispiel auf die wichtige Sprachbildung der Jüngsten haben.

Nur jede 50. Kita in Ostdeutschland optimal ausgestattet

Laut Analyse für 2024 arbeiten bundesweit lediglich 13,7 Prozent der Kitas mit einer 100-Prozent-Personalausstattung. Auffällig dabei: In Westdeutschland sind es im Schnitt 16,3 Prozent, in Ostdeutschland inklusive Berlin dagegen nur zwei Prozent.

Mit einer schwachen Personaldecke – 60 Prozent und weniger als wissenschaftlich empfohlen – arbeitet demnach deutschlandweit etwa jede fünfte Kita (21,2 Prozent), wobei es im Westen nur rund elf Prozent, aber in den ostdeutschen Ländern zwei Drittel (65,3 Prozent) seien.

Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen besonders betroffen

  • Vorn liegen Baden-Württemberg und Bremen, wo zum Stichtag 1. März 2024 rund ein Drittel der Kitas über die bestmöglichen Personalressourcen verfügt.

  • Es folgen Niedersachsen mit knapp 20 Prozent und Schleswig-Holstein mit gut 17 Prozent.

  • Mit maximal 60 Prozent der benötigten Fachkräfte müssen nach Angaben der Stiftung besonders viele Kitas in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen – rund 84 Prozent – auskommen.

Die Untersuchung sieht bei der Ausstattung mit pädagogisch tätigem Personal in allen Bundesländern Handlungsbedarf.

Bildungsexpertin Kathrin Bock-Famulla sagte zu den Ergebnissen, dass Kitas ihrem zunehmend komplexen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsauftrag nur gerecht werden könnten, wenn sie ausreichend Fachkräfte hätten. Nur ein Bruchteil der Einrichtungen komme auf die erforderliche volle Personalausstattung, monierte die Forscherin aus Gütersloh. Die Mehrheit der Kinder werde nicht unter den Bedingungen betreut, die nach wissenschaftlichen Standards erforderlich seien.

Ausstattung für mehrsprachige oder behinderte Kinder

Positiv zeigt sich in der Studie allerdings: In der Mehrheit der Länder steigt die Personalausstattungsquote, je höher der Anteil der Kinder mit einer Behinderung ist.

Die Analyse arbeitet mit einer sogenannten Personalausstattungsquote, die Stiftung und ÖiF entwickelt haben. Untersucht wurde darin auch, wie die Ausstattung in Bezug auf den Anteil der daheim nicht Deutsch sprechenden Kinder sowie die Zahl der Jungen und Mädchen mit Behinderung ist.

Zur Einordnung: Von mehr als 3,55 Millionen Kitakindern in Deutschland (2024) kommen laut Stiftung rund 820.600 (etwa 23 Prozent) aus einer Familie, in der vorrangig nicht Deutsch gesprochen wird. Und rund 96.300 Jungen und Mädchen in Kitas erhalten Eingliederungshilfe wegen einer Behinderung.

Klar sei: Für eine hochwertige Förderung von Kindern mit besonderen pädagogischen Anforderungen brauche es zusätzliche Personalstunden.

Nachholbedarf in Hessen und im Saarland

Bezüglich der mehrsprachig aufwachsenden Kinder ist die Personalausstattung von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. Nachholbedarf gibt es vor allem in Hessen und im Saarland: Die Personalausstattungsquote sinkt hier mit steigendem Anteil an Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache. Auch in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist sie oft zu niedrig: Mit einem höheren Anteil an Kindern mit nichtdeutscher Familiensprache erhöht sich laut Studie zwar die Personalausstattungsquoten, liege aber dennoch deutlich unter den Empfehlungen.

Startchancen-Programm für Kitas könnte Situation verbessern

Das laut Koalitionsvertrag von Union und SPD geplante Startchancen-Programm für Kitas könne nach Angaben der Bertelsmann Stiftung Verbesserungen bringen und hilfreich sein, um soziale Ungleichheiten sichtbar zu machen und Fördermittel gezielter einzusetzen.

Wann eine solche Förderung vom Bund kommt, ist allerdings offen. Eine Sprecherin des Bundesfamilienministeriums sagte auf Anfrage, seit Juli 2025 werde in einer Arbeitsgruppe auch über Startchancen-Kitas beraten. Den Ergebnissen könne man nicht vorgreifen.

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In den ostdeutschen Bundesländern bietet sich nach Einschätzung von Bildungsexpertin Bock-Famulla angesichts sinkender Geburtenzahlen eine historische Chance für optimale Personalquoten. Dafür müssten Fachkräfte im Job gehalten werden. Tatsächlich komme es aber zur Schließung von Gruppen oder ganzen Einrichtungen.

Ein Interview über mangelnden Kinderschutz in Kitas lesen Sie hier .

sun/dpa