SpOn 22.02.2026
13:35 Uhr

Berlinale: Umweltminister Carsten Schneider verlässt Verleihung aus Protest gegen Gaza-Rede


Eine Rede bei der Berlinale sorgt für heftige Kritik: Regisseur Abdallah Alkhatib nannte Deutschland einen »Partner des Völkermords in Gaza«. Umweltminister Schneider protestierte vor Ort, die CSU spricht von »abstoßenden Szenen«.

Berlinale: Umweltminister Carsten Schneider verlässt Verleihung aus Protest gegen Gaza-Rede

Aufregung um eine Rede bei der Berlinale: Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat am Samstag aus Protest den Saal verlassen. Hintergrund: Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib hatte der Bundesregierung vorgeworfen, »Partner des Völkermords in Gaza zu sein«, wie ein Sprecher des Ministeriums am Sonntag sagte. »Der Bundesminister hält diese Aussagen für nicht akzeptabel und hat daher während der Rede die Veranstaltung verlassen.« Schneider sei als einziger Vertreter der Bundesregierung bei der Berlinale dabei gewesen.

CSU-Landesgruppenchef Hoffmann

CSU-Landesgruppenchef Hoffmann

Foto: dts Nachrichtenagentur / IMAGO

Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann äußerte sich mit drastischen Worten auf X über die Preisverleihung des Filmfestivals: Er schrieb von »Völkermord-Vorwürfen, antisemitischen Ausfällen und Drohungen gegen Deutschland« bei der Berlinale. Die »abstoßenden Szenen« unterstrichen aus seiner Sicht die Notwendigkeit, klar Stellung zu beziehen und Antisemitismus als besonders schweren Fall der Volksverhetzung einzustufen, wie er weiter schrieb. Es dürfe weder »in der Öffentlichkeit, bei Veranstaltungen oder im Netz« eine »Bühne für Israelhasser« geben.

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Der syrisch-palästinensische Regisseur Abdallah Alkhatib gewann mit seinem Episodenfilm »Chronicles from the Siege« den Preis für das beste Spielfilmdebüt. In dem Film erzählt er die Geschichten aus der Belagerung einer palästinensischen Bevölkerung in einer halb zerstörten Stadt, die nicht explizit Gaza genannt wird.

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Auch an anderer Stelle war der Gazakrieg Thema bei der Preisverleihung: Die libanesische Regisseurin Marie-Rose Osta, die für ihren Kurzfilm »Yawman ma walad« (»Someday a Child«) ausgezeichnet wurde, sagte, dass der Waffenstillstand nicht eingehalten werde und zahlreiche Kinder im Libanon und in Gaza von israelischen Bomben bedroht würden. Mehr über den Abend der Berlinale-Preisverleihung lesen Sie hier .

Zu Beginn des Abends war Festivalleiterin Tricia Tuttle auf die Kritik an der Berlinale in Bezug auf den Gazakrieg eingegangen. Zuvor hatten mehr als 80 Filmschaffende, darunter Stars wie Javier Bardem und Tilda Swinton, in einem offenen Brief das »Schweigen« der Berlinale zum Krieg kritisiert. Kritik zu üben, sei Teil der Demokratie, betonte sie. Ein Festival wie die Berlinale könne die Konflikte der Welt nicht lösen. »Aber es kann Raum schaffen für Komplexität, für Zuhören und dafür, einander zu vermenschlichen.«

ipp/afp/dpa