SpOn 04.03.2026
18:12 Uhr

Berlin: Verfassungsschutz verwechselt Hochschulmitarbeiterin mit Rechtsextremistin


Wegen des Pseudonyms einer Rechtsextremistin gerät eine Frau ins Visier des Inlandsgeheimdienstes. Sie ist unbescholten, ihren Job verliert sie dennoch.

Berlin: Verfassungsschutz verwechselt Hochschulmitarbeiterin mit Rechtsextremistin

Zwei Frauen aus derselben Gemeinde an der Ostsee: die eine ist Angestellte, die andere Gründerin eines rechten Datingportals. Wegen einer Namensgleichheit kommt es zu einem folgenreichen Behördenirrtum: Liv Heide, Mitarbeiterin einer Berliner Fachhochschule ist vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) mit einer Rechtsextremistin verwechselt worden und hat ihren Job verloren.

Der Inlandsnachrichtendienst hatte die heutige Berlinerin laut einem Bericht der »Zeit«  seit 2022 im Fokus. Grund: Die Namensgleichheit mit dem Pseudonym von Christiane H., einer Frau, die ein antisemitisches, rassistisches und rechtsextremes Datingportal gründete. Wie die »Zeit« schreibt, richtete sich die Plattform »WhiteDate.net« exklusiv an »weiße« Menschen, knapp 8000 Mitglieder hatte die Plattform demnach.

Unbescholtene Frau gekündigt

Das Bundesamt für Verfassungsschutz teilte die Information demnach dem Berliner Verfassungsschutz mit. Die »Zeit« zitiert aus einem Sachstandsbericht, man habe die Betreiberin der Plattform »klar identifiziert«. Der Verfassungsschutz leitete die Erkenntnisse an die Fachhochschule weiter, die Heide daraufhin zum Juli 2024 fristlos kündigte. Dabei handelte es sich bei der Angestellten gar nicht um die Rechtsextremistin.

Dem Bericht der »Zeit« zufolge räumte der Berliner Verfassungsschutz nach der Entlassung der unbescholtenen Liv Heide ihr gegenüber ein, dass eine andere Person mit ihrem Namen aufgetreten sei. Zu diesem Zeitpunkt war ihre Stelle an der Hochschule dem »Zeit«-Bericht zufolge aber bereits neu besetzt.

Das Bundesamt teilt nun auf Anfrage mit, der Sachverhalt um die Datingplattform »ist hier bekannt«. Die behördeninterne Überprüfung des Vorgangs sei noch nicht abgeschlossen. Dabei dürfte es dem BfV auch darum gehen, dafür zu sorgen, dass solche Fehler künftig nicht mehr passieren. Der Geheimdienst erklärte: »Im Zentrum der sorgfältigen Prozessanalyse stehen dabei insbesondere die besonderen Anforderungen, die sich im Rahmen von Klaridentifizierungen von Internet-Identitäten ergeben.«

Mehr zum Thema

Die Berliner Senatsinnenverwaltung teilt auf Anfrage mit: »Der Berliner Verfassungsschutz äußert sich nicht zu Einzelpersonen.« Die Fachhochschule kündigte eine Stellungnahme für Donnerstag an.

esk/dpa