SpOn 07.01.2026
11:14 Uhr

Berlin: Stromversorgung im Südwesten wieder angelaufen


100.000 Menschen im Dunkeln, kalte Wohnungen, Notunterkünfte. Der längste Stromausfall in Berlins Nachkriegsgeschichte verlangte der Stadt vieles ab. Nun soll wieder Normalität zurückkehren.

Berlin: Stromversorgung im Südwesten wieder angelaufen

Mehrere Tage nach dem großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten ist die Stromversorgung für das betroffene Gebiet wieder angelaufen. Schrittweise sollten in den nächsten Stunden sämtliche Haushalte wieder Strom haben, teilte ein Sprecher der landeseigenen Netzgesellschaft Stromnetz Berlin mit. Bereits in der Nacht konnte demnach die entscheidende provisorische Kabelverbindung wieder hergestellt und positiv getestet werden.

»Bevor der Strom jedoch für alle wieder da ist, wird es für einige der bereits wieder versorgten Kunden im ursprünglich betroffenen Gebiet zu einer circa 15 Minuten langen Stromunterbrechung kommen«, teilte Stromnetz Berlin weiter mit. »Ähnlich wie bei einem Wechsel eines Steckers zu einer anderen Steckdose wird so die Wiederversorgung über die provisorische Leitung am Teltowkanal sichergestellt.«

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Im Verlauf des Vormittags wurden kritische Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegedienste informiert, dass der Strom bald wieder fließen könne. Per Warnsystem wurden auch die Verbraucherinnen und Verbraucher aufgefordert, Notstromaggregate vom Netz zu nehmen, um Schäden zu vermeiden.

Keine Geräte mit starkem Stromverbrauch nutzen

Im Laufe des Tages sollte die Versorgung in sämtlichen Haushalten aber stabil laufen. Die Behörden riefen die Menschen auf, unmittelbar nach der Zuschaltung zum Stromnetz keine Geräte mit starkem Stromverbrauch zu benutzen. Genannt wurden etwa Waschmaschinen, Wäschetrockner, Wasserkocher, Heizlüfter oder Ladestationen für E-Fahrzeuge.

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»Wir fahren heute ab elf Uhr das Stromnetz in den betroffenen Gebieten schrittweise wieder hoch«, hatte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zuvor angekündigt. »Möglich wurde das auch, weil wir die Großschadenslage ausgerufen und damit die notwendigen Kräfte und Abläufe gebündelt haben«, so Wegner weiter. »Es war richtig, parallel an zwei Standorten zu arbeiten – so konnten die Reparaturen schließlich am Anschlagsort erfolgreich abgeschlossen werden.«

Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2200 Unternehmen ohne Strom. Nach Angaben Wegners waren insgesamt rund 100.000 Menschen von dem Blackout betroffen. Nachdem in den vergangenen Tagen ein Teil der betroffenen Haushalte wieder angeschlossen wurde, waren zuletzt laut Stromnetz Berlin noch 19.900 Haushalte und 850 Gewerbebetriebe ohne Strom.

Der Stromausfall war den Angaben zufolge der längste der Nachkriegsgeschichte in der Hauptstadt. Fachleute des landeseigenen Netzbetreibers Stromnetz Berlin und von außerhalb arbeiteten seit Samstag an zwei Stellen an zwei verschiedenen Varianten, um die Versorgung wiederherzustellen. Die Rede war von sehr komplizierten Arbeiten.

Erst im vergangenen September gab es nach einem Brandanschlag im Südosten der Stadt einen rund 60-stündigen Blackout. Damals waren zunächst rund 50.000 Stromkunden von dem Störfall betroffen.

Bundesanwaltschaft hat Ermittlungen übernommen

Nach dem neuen Brandanschlag hatte Berlin am Sonntag eine sogenannte Großschadenslage ausgerufen – auch um bei der Bewältigung der Folgen schneller Hilfe vom Bund anfordern zu können. Unter anderem war die Bundeswehr vor Ort, um bei der Betankung von Notstromaggregaten oder der Versorgung von Menschen mit warmem Essen zu helfen.

Dank Notstromaggregaten öffneten etliche Supermärkte bereits ab Montag wieder. Auch Handys hatten vielfach wieder Netz, weil zahlreiche Mobilfunkmasten wieder in Betrieb waren. In Notunterkünften und anderen Anlaufstellen konnten sich Menschen aufwärmen, Handys laden, etwas trinken und essen.

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Bei den Ermittlungen zu den Tätern gibt es noch keine Ergebnisse. Die Polizei sprach von sehr umfangreicher Tatortarbeit. Die »Vulkangruppe«, die sich zu dem Anschlag in einem von Berlins Innenverwaltung als authentisch eingestuften Schreiben bekannte, ist den Ermittlern bereits länger bekannt. Sie griff mutmaßlich schon mehrfach Bahnanlagen oder das Stromnetz an.

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe übernahm inzwischen die Ermittlungen. Aus Sicht der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe.

wit/dpa