SpOn 03.01.2026
18:40 Uhr

Berlin: Stromausfall im Berliner Südwesten könnte bis Donnerstag dauern


Der Stromausfall im Südwesten Berlins wird wohl erst nach mehreren Tagen zu beheben sein. Nach dem Feuer an einer Kabelbrücke ermittelt die Polizei, ob es sich um Brandstiftung handelt. 45.400 Haushalte sind betroffen.

Berlin: Stromausfall im Berliner Südwesten könnte bis Donnerstag dauern

Ausgerechnet wenn es schneit und eisig kalt ist: Nach Einschätzung der Betreibergesellschaft Stromnetz Berlin könnte der seit dem frühen Samstagmorgen herrschende Stromausfall im Südwesten Berlins bis kommenden Donnerstag dauern. Grund dafür sei der aufwendige Bau von Ersatzleitungen nach dem Brand einer Kabelbrücke über den Teltow-Kanal, wie ein Sprecher von Stromnetz Berlin mitteilte. Der Netzbetreiber hofft aber, rund 10.000 der betroffenen Haushalte im Stadtteil Lichterfelde ab Samstagabend aus anderen Netzteilen wieder zu versorgen. »Wir versuchen nach und nach, die Leute wieder mit Strom zu versorgen«, so der Sprecher.

In den Stadtteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde war in den frühen Morgenstunden der Strom ausgefallen. Betroffen waren laut Stromnetz Berlin 45.400 Haushalte und 2200 Gewerbebetriebe. Ursache ist das inzwischen gelöschte Feuer an der Kabelbrücke zum Kraftwerk Lichterfelde. Mehrere Hochspannungskabel seien dabei beschädigt worden.

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Stromausfall in Berlin

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Sebastian Gollnow / Sebastian Christoph Gollnow / dpa

»Aufgrund der entstandenen erheblichen Schäden wird die Reparatur der Kabel sehr lange dauern«, teilte Stromnetz Berlin am Samstag mit. »Aktuell arbeitet Stromnetz Berlin am Aufbau eines Provisoriums. Wir rechnen mit einer vollständigen Wiederversorgung aller Kundinnen und Kunden bis kommenden Donnerstagnachmittag (8.1.2026).« Nötig sei umfangreicher Tiefbau und Kabelzug. Dies werde durch das Winterwetter erschwert. Außerdem laufe noch die Spurensicherung am Brandort.

»Die S-Bahnen fahren«

Erschwerend kommt hinzu: Wegen des Stromausfalls funktionieren vielerorts auch die Heizungen nicht. Auch der Mobilfunk und die Festnetztelefonie sind teilweise gestört. Im betroffenen Gebiet haben Läden geschlossen, Ampeln sind ausgefallen. Betroffene sollten prüfen, »ob sie die Möglichkeit haben, bei Freunden oder Verwandten unterzukommen«, mahnte die Polizei in einer Mitteilung.

Auch die Bahnhöfe in den betroffenen Stadtteilen sind nach Angaben der S-Bahn Berlin ohne Strom. »Hier gibt es keine Fahrgastinformationen, Automaten und Entwerter funktionieren nicht.« Auf den Bahnverkehr wirke sich dies jedoch nicht aus. »Die S-Bahnen fahren.«

Die Berliner Feuerwehr hat in dem Gebiet des Stromausfalls zunächst drei Anlaufpunkte für die Bevölkerung für Informationen und Hilfe eingerichtet. »Die Möglichkeiten zum Absetzen von Notrufen und Hilfe in Notsituationen erhalten Sie an folgenden Notrufannahmepunkten: Rathaus Wannsee (Chausseestraße / Königstraße), Mexikoplatz, Carl-Schumann-Sportanlage (Osdorfer Straße 52)«, teilte die Feuerwehr auf ihrer Internetseite mit.

Spurensicherung ist noch vor Ort

Inzwischen sind mehr als 350 Feuerwehrleute im Einsatz, dazu das Technische Hilfswerk und weitere Organisationen. Die Hilfsorganisationen könnten an zentralen Punkten für Notstrom und auch geheizte Zelte sorgen, hieß es. Die Lage sei im Januar bei Frost und Dunkelheit eine ganz andere als beim Stromausfall im September, sagte ein Sprecher. Der Bezirk müsse sich darauf einstellen, als zuständige Behörde umfangreiche Hilfe anzubieten.

Die Polizei ermittelt nach eigenen Angaben wegen des Verdachts der Brandstiftung. Einzelheiten zum Stand der Ermittlungen teilte sie zunächst nicht mit. »Unsere Kripo ist vor Ort und ermittelt wegen des Verdachts der Brandstiftung«, erklärte die Behörde auf X. Die Spurensicherung sei noch vor Ort, die Ermittlungen liefen, sagte eine Sprecherin.

Mittlerweile ist offenbar ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Der für politische Straftaten zuständige Staatsschutz prüfe derzeit, ob das Schreiben authentisch sei, teilte die Polizei auf X mit. Sie äußerte sich nicht dazu, von welcher politischen Richtung oder Gruppe der Text stammen könnte.

Großflächiger Stromausfall in Berlin zuletzt im September

Der Stromausfall sei nach Angaben von Stromnetz Berlin vergleichbar mit einem ähnlichen Fall im September im Südosten Berlins, als anfangs 50.000 Kunden betroffen waren. Auch damals zog sich der Stromausfall über Tage hin. Ursache war damals ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten.

Wie sich der damalige Ausfall auf die Rettungskräfte und Menschen in betroffenen Altenheimen ausgewirkt hat, lesen Sie in dieser Reportage .

Zu der Frage, ob es sich auch diesmal um politisch motivierte Brandstiftung handeln könnte, äußerte sich die Polizei zunächst nicht und verwies auf laufende Ermittlungen.

bor/jmm/dpa/AFP