Queere Menschen sind von Gewalt und Hetze bedroht – das hat sich nun offenbar erneut bestätigt. Ein homosexueller Mann ist am Freitag von sechs Angreifern attackiert worden, als er den Angaben zufolge im Görlitzer Park in Berlin spazieren war. Wie die Polizei am Samstag in der Hauptstadt mitteilte, war der 33-Jährige im Stadtteil Kreuzberg unterwegs, als er von drei Männern angesprochen und nach seiner sexuellen Orientierung gefragt wurde. Nachdem er das beantwortet hatte, schlugen sie auf ihn ein und stießen ihn zu Boden.
Daraufhin schlossen sich drei weitere Männer an, die den Mann ebenfalls angriffen. Zwei der Angreifer schlugen laut Polizei mit einer Bierflasche auf ihr Opfer ein.
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Eine Passantin beobachtete den Angriff und rief laut um Hilfe, woraufhin der Verletzte fliehen konnte. Die Polizei nahm Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung auf. Der Mann erlitt Verletzungen am Kopf und am Rumpf.
»Queere Menschen zunehmend Ziel von Gewalt«
Dass es sich dabei um keinen Einzelfall handelt, zeigt ein Blick auf die Zahlen für das Jahr 2024, die im Mai veröffentlicht worden waren. Die Statistik des Bundeskriminalamts dokumentierte in Deutschland 1765 Straftaten aufgrund der sexuellen Orientierung, was einem Zuwachs von 17,75 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Darunter seien 265 Gewalttaten gewesen. Das ist ein leichter Rückgang im Vergleich zu 2023, im Zehnjahresvergleich jedoch hat sich die Lage dramatisiert (2014: 37 dokumentierte Gewalttaten wegen der sexuellen Orientierung).
»Die Zunahme von Hasskriminalität in Deutschland muss uns alle alarmieren«, teilte angesichts dieser Zahlen Andre Lehmann mit, Bundesvorstand des Bürgerrechtsverbandes LSVD⁺ – Verband Queere Vielfalt. »Queere Menschen und andere gesellschaftliche Gruppen werden zunehmend Ziel von Gewalt.« Niemand dürfe wegsehen, wenn Menschenfeindlichkeit um sich greife.
Zuletzt war es im Juni, dem sogenannten »Pride Month«, zu Hass, Aufmärschen und Gewalt gegen queere Menschen gekommen. »Wenn sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzt, werden die Angriffe auf Pride-Demonstrationen weiter zunehmen«, sagt Lehmann. Wer vor diesem Hintergrund nicht benenne, was queerfeindliche Gewalt sei und wie sehr sie ansteige, »relativiert ihre Folgen und zementiert blinde Flecken«. Queere Menschen bräuchten »Schutz, Sichtbarkeit und explizite politische Anerkennung ihrer Bedrohungslage«.

