SpOn 10.01.2026
12:06 Uhr

Berlin: Reparatur des Stromnetzes nach Brandanschlag dauert Monate


Wegen zerstörter Kabel hatten Zehntausende Menschen in der Hauptstadt tagelang weder Strom noch Heizung. Der Beamtenbund warnt: »Was in Berlin passiert ist, kann jederzeit an anderen Orten passieren.«

Berlin: Reparatur des Stromnetzes nach Brandanschlag dauert Monate

Nach dem Brandanschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten ist eine zweite provisorische Hochspannungsleitung in Betrieb genommen worden. »Sie sichert die Stromversorgung in dem betroffenen Gebiet zusätzlich ab«, teilte Stromnetz Berlin mit. Die Zuschaltung habe wie geplant ohne erneute Stromunterbrechung stattgefunden.

Die beiden Provisorien blieben so lange in Betrieb, bis der ursprüngliche Netzzustand wiederhergestellt sei. »Die Planungen dafür laufen bereits. Die eigentlichen Arbeiten werden allerdings Monate in Anspruch nehmen«, teilte das Unternehmen mit. Der Anschlag habe erheblichen Schaden verursacht.

Der mutmaßlich von Linksextremisten  verübte Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf hatte Anfang Januar für mehrere Tage zu einem großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten geführt. Rund 100.000 Menschen waren mitten im Winter ohne Strom, Heizung, Internet und Mobilfunk. Etwa 45.000 Haushalte und 2200 Betriebe waren betroffen.

Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hatte am Freitag die Großschadenslage für beendet erklärt. Die Stromversorgung in Steglitz-Zehlendorf sei wieder stabil, so Spranger, die Voraussetzungen für eine Großschadenslage lägen daher nicht mehr vor.

Beamtenbund warnt: Blackout wie in Berlin überall möglich

Der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbunds dbb, Volker Geyer, hält einen Blackout im Ausmaß des mehrtägigen Berliner Stromausfalls jederzeit auch in anderen Städten für möglich. (Lesen Sie hier,  wie Sie sich für einen Stromausfall wappnen.)

»Berlin hat gezeigt, dass man nicht auf Krisen dieser Art vorbereitet ist. Das ist eine Katastrophe«, sagte Geyer der »Rheinischen Post« . Es gelte dringend zu überprüfen, ob die Kontrollmechanismen und die gesetzlichen Vorgaben ausreichten, die für Betreiber kritischer Infrastruktur gelten.

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»Was in Berlin passiert ist, kann jederzeit an anderen Orten passieren – in Köln, in Stuttgart, in München. Der Staat darf sich aber nicht derart vorführen lassen«, warnte Geyer. Die Bevölkerung erwarte gerade in Krisensituationen einen handlungsfähigen Staat.

Städtetag für »nationale Blackout-Reserve«

Der Deutsche Städtetag fordert eine »nationale Blackout-Reserve» des Bundes mit mobilen Kraftwerken, um besser für großflächige und mehrtägige Stromausfälle wie in Berlin gewappnet zu sein. Einzelne Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime mit Notstrom-Aggregaten zu versorgen, sei zwar wichtig und gut, sagte Hauptgeschäftsführer Christian Schuchardt der »Rheinischen Post«. »Noch besser wäre, wenn wir mit mobilen Kraftwerken gleich ganze Quartiere mit Wärme und Strom versorgen könnten.«

Am Freitag hatten bereits die Stadtwerke darauf gedrungen, dass Deutschland sich besser gegen Krisen rüstet. Es gelte, nationale Reserven an Menschen und Material einzurichten, um massive Stromausfälle schneller zu bewältigen.

alw/dpa