SpOn 07.01.2026
21:18 Uhr

Berlin: Kai Wegner spielte offenbar Tennis während des Stromausfall


Während des tagelangen Stromausfalls in Berlin hatte der Regierende Bürgermeister erklärt, »den ganzen Tag am Telefon« zu sein. Tatsächlich ging Kai Wegner jedoch zum Tennis. Nach Kritik lenkt er nun ein.

Berlin: Kai Wegner spielte offenbar Tennis während des Stromausfall

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner hat während des Stromausfalls in den vergangenen Tagen offenbar weniger Zeit mit Krisenmanagement verbracht als bislang behauptet. Tatsächlich habe der CDU-Politiker am Samstagmittag Tennis gespielt, berichtet zunächst der RBB . Die Senatskanzlei habe die Information auf Nachfrage bestätigt und erklärt, Wegner sei jedoch stets erreichbar gewesen.

Die Sprecherin der Senatskanzlei, Christine Richter, bestätigte dem SPIEGEL auf Anfrage, dass Wegner gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, Bildungssenatorin Katharina Günter-Wünsch (CDU), mittags Tennis spielen war, »um den Kopf frei zu bekommen«. Vormittags habe der Regierende Bürgermeister viele Telefonate geführt.

Wegner hatte sich zuletzt gegen Vorwürfe rechtfertigen müssen. Die Opposition hatte ihm vorgeworfen, er sei nicht bereits am ersten Tag des Stromausfalls in den betroffenen Stadtteilen im Südwesten der Hauptstadt gewesen. Auch der sonstige Umgang mit dem Brandanschlag einer mutmaßlich linksextremen Gruppe sorgte in Berlin für Kritik.

Wohl doch nicht »den ganzen Tag am Telefon«

Wegner hatte sich gerechtfertigt und erklärt, er sei vom ersten Moment an in das Krisenmanagement eingebunden gewesen. »Ich habe mich weder gelangweilt noch die Füße hochgelegt, sondern ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht, zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren.«

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Stromausfall in Berlin

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Sebastian Gollnow / Sebastian Christoph Gollnow / dpa

Er habe sich »zu Hause in seinem Büro eingeschlossen, im wahrsten Sinne«, so der Regierende Bürgermeister am Sonntag bei einer Pressekonferenz. Er sei auch nicht im Urlaub gewesen, wie einige Nachrichtenseiten zunächst berichtet hatten.

Mittlerweile räumte Wegner ungeschicktes Verhalten ein. »Rückblickend hätte ich das am Sonntag sagen sollen, was ich am Samstag gemacht habe«, sagte Wegner nun in der RBB-«Abendschau».

»Ja, ich habe dann irgendwann gesagt: Ich brauche kurz eine Pause, ich muss meinen Kopf freikriegen. Und das kann ich am besten mit Sport», erklärte der CDU-Politiker. Er habe dann eine Stunde Sport gemacht und sei danach sofort wieder an sein Telefon gegangen und habe weitergearbeitet.

Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2200 Unternehmen ohne Strom.

Das Thema dürfte absehbar auch im beginnenden Wahlkampf zur Abgeordnetenhauswahl dieses Jahr vorkommen.

Scharfe Kritik von Grünen, SPD und FDP

Der Spitzenkandidat der Berliner Grünen, Werner Graf, zeigte sich auf SPIEGEL-Anfrage schockiert von Wegners Handeln. Er sagte: »Ehrlich gesagt bin ich fassungslos. Der Regierende Bürgermeister war Tennis spielen, obwohl er bereits wusste, dass 45.000 Berliner Haushalte ohne Wärme und Licht in einer Notlage waren und während Menschen in Gefahr gerieten.« Das entspreche nicht den Erwartungen, die Berlinerinnen und Berliner an das Amt des Regierenden Bürgermeisters hätten.

Auch Wegners Koalitionspartner reagierte scharf. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach erklärte: »Kai Wegner hat vermutlich nicht daheim im verschlossenen Arbeitszimmer Tennis gespielt. Ich weiß nicht, was schlimmer ist: Dass er die Berlinerinnen und Berliner belogen hat oder dass ihm eine Tennis-Partie wichtiger war, als nach einem terroristischen Anschlag in der schlimmsten Stromkrise seit Jahrzehnten bei den betroffenen Menschen vor Ort zu sein. Beides ist inakzeptabel und eines Regierenden Bürgermeisters unwürdig.«

Der Generalsekretär der Berliner FDP forderte  in einem Video-Statement bereits Wegners Rücktritt. Der Regierende Bürgermeister habe die Öffentlichkeit »dreist« belogen, so Peter Langer. Auch Bundespolitiker der Liberalen schlossen sich dieser Forderung an. Die Partei kämpft bei der Abgeordnetenhauswahl um den Wiedereinzug ins Berliner Parlament.

Rücktrittsforderungen kommentierte Wegner im RBB so: »Dass die Opposition das jetzt sagt, das kann ich nicht verhindern. Ich glaube, das Entscheidende ist, dass wir gezeigt haben, dass wir Krise können, dass die Berlinerinnen und Berliner in den betroffenen Gebieten jetzt wieder Strom und Wärme haben.«

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Nach Angaben Wegners waren insgesamt rund 100.000 Menschen von dem Blackout betroffen, viele mussten in Notunterkünften und kalten Wohnungen ausharren. Erst nach vier Tagen konnte die Stromversorgung im Laufe des Mittwochs wiederhergestellt werden. Es handelt sich um den längsten entsprechenden Ausfall in der Nachkriegsgeschichte der Stadt.

cte/has/jpe/luc