SpOn 05.03.2026
09:35 Uhr

Benzin, Diesel und E10: Spritpreise erreichen neue Rekordwerte


Auch die günstigste gängige Benzinsorte kostet laut ADAC nun verbreitet mehr als zwei Euro pro Liter. Der erste Regierungschef fordert, die Mineralölkonzerne mit einer Übergewinnsteuer zur Kasse zu bitten.

Benzin, Diesel und E10: Spritpreise erreichen neue Rekordwerte

Die Spritpreise steigen weiter: Einen Tag nach dem Dieselkraftstoff hat auch die günstigste gängige Benzinsorte Super E10 die Marke von zwei Euro pro Liter im bundesweiten Durchschnittspreis überschritten. In der Preisspitze am Morgen kostete sie 2,003 Euro, wie der ADAC mitteilte.

Diesel kostete demnach im bundesweiten Durchschnitt am Morgen 2,086 Euro je Liter. Diesel ist normalerweise billiger als E10, weil er deutlich niedriger besteuert wird. Sein Preis ist aber krisenanfälliger, auch in der Anfangsphase des Ukrainekriegs hatte er stärker reagiert als Benzin. Einer der Gründe ist, dass Diesel auch als Ersatz für Gas verwendet wird und für die Industrie eine größere Rolle spielt.

Beide Preise können im Tagesverlauf auch wieder ein gutes Stück weit sinken. Das entspräche der Entwicklung in normalen Zeiten: Der Markttransparenzstelle des Kartellamts zufolge gibt es hohe Preisunterschiede von mehreren Cent zwischen morgens und abends. Zuletzt hatte der allgemeine Anstieg dies aber überlagert.

Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs – er ist für längerfristige Vergleiche aussagekräftiger, weil er die oft starken Schwankungen im Tagesverlauf ausgleicht – hatte ein Liter Diesel 2,005 Euro gekostet – 25,9 Cent mehr als am Freitag vor Ausbruch des Krieges. E10 kostete am Dienstag im Tagesschnitt 1,935 Euro pro Liter. Das sind 15,7 Cent mehr als am Freitag.

Kartellamt soll Preissprünge überprüfen

Der Bremer Regierungschef Andreas Bovenschulte verlangt angesichts der Preissprünge eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne, die ihre Gewinnmargen unverhältnismäßig ausgeweitet haben. »Wenn man sieht, wie die Ölkonzerne in Windeseile die Preise erhöht haben, dann besteht schon der Verdacht, dass sie den Krieg ausnutzen, um sich die Taschen vollzumachen«, sagte der SPD-Politiker der »Welt«.

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Diejenigen, die diese neue Krise für sich ausnutzen, müssten »mit kartell- und steuerrechtlichen Mitteln« zur Verantwortung gezogen werden, sagte Bovenschulte. »Eine Übergewinnsteuer könnte in diesem Fall gute Dienste leisten.«

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat inzwischen eine Überprüfung der Preise angekündigt: »Wir werden prüfen, dass nicht eine Situation ausgenutzt wird, die sich an den Märkten abbildet, aber nicht in dieser Höhe«, sagte die CDU-Politikerin im Podcast von »Table.Briefings«. Darüber sei sie mit dem Bundeskartellamt im intensiven Austausch.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil drohte Mineralölkonzernen mit Konsequenzen, sollten sie versuchen, aus dem Irankrieg und der aktuellen Lage Kapital zu schlagen. »Es darf da jetzt keine Abzocke geben«, sagte der SPD-Chef im ZDF.

Dass E10 oder Diesel im Tagesdurchschnitt mehr als zwei Euro kosteten, hatte es zuletzt 2022 gegeben. Eine Übergewinnsteuer auf übermäßige Gewinne hatte es in der Energiekrise nach Russlands Angriff auf die Ukraine 2022 gegeben. Eingeführt worden war sie auf EU-Ebene als »befristete Solidaritätsabgabe«.

Die steigenden Spritpreise sorgen inzwischen auch für eine Diskussion über eine mögliche Spritpreisbremse . 2022 hatte der Staat die Steuern auf Diesel und Benzin von Juni bis August deutlich gesenkt, um die Autofahrer angesichts der hohen Preise zu entlasten. Damals hatte es teilweise deutliche Kritik gegeben, dass die Erleichterung die Verbraucher nur teilweise erreicht habe.

Hintergrund der hohen Preise sind der Irankrieg und die Sperrung der Straße von Hormus vor der Küste des Landes. Sie spielt für Öl- und Gaslieferungen eine wichtige Rolle.

apr/dpa/AFP