Israels Staatspräsident Isaac Herzog hat betont, dass über den Antrag von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu auf eine Begnadigung noch keine Entscheidung gefallen ist. Das Präsidialamt reagierte damit auf Äußerungen von US-Präsident Donald Trump beim Treffen mit Netanyahu in Florida. Trump hatte dort den Eindruck erweckt, eine Begnadigung sei »unterwegs«. Er behauptete, Herzog habe ihm dies bei einem Gespräch mitgeteilt. Netanyahu sei schließlich »ein Kriegsheld«, erklärte Trump, und es wäre »undenkbar«, ihn nicht zu begnadigen.
Herzogs Büro stellte klar, seit Einreichung des Begnadigungsgesuchs habe es kein Gespräch zwischen dem israelischen Präsidenten und Trump gegeben. Bei einem Austausch mit einem US-Vertreter vor einigen Wochen habe Herzog lediglich betont, jede Entscheidung werde »gemäß den festgelegten Verfahren« getroffen.
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Netanyahu hatte den Präsidenten Ende November in einem Schreiben offiziell um Begnadigung gebeten. Wann Herzog darüber entscheidet, ist unklar. Gegen den Regierungschef läuft seit mehr als fünf Jahren ein Korruptionsprozess wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit. Trump hatte Herzog bereits mehrfach aufgefordert, Netanyahu zu begnadigen. Herzog erklärte daraufhin, Israel sei ein souveräner Staat, der sein Justizsystem respektiert.
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