In Italien sind bislang unbekannte handschriftliche Notizen des früheren faschistischen Diktators Benito Mussolini zu einem Treffen mit NS-Diktator Adolf Hitler im Jahr 1944 entdeckt worden. Eine Spezialeinheit der Carabinieri stellte die Dokumente vor einer Auktion sicher und übergab sie dem zentralen Staatsarchiv in Rom, wie es in einer Mitteilung hieß. Die Notizen werden demnach als von »besonderer historischer Bedeutung« eingeschätzt.
Die Dokumente waren bei einem Auktionshaus in Turin zum Verkauf angeboten worden. Die Carabinieri beschlagnahmten die Notizen und unterzogen sie einer umfassenden Analyse. Erste Untersuchungen zeigten anhand einer schriftvergleichenden Prüfung, dass das Schriftbild sowie das Monogramm »M« am Ende eines der Blätter Mussolini eindeutig zuzuordnen seien.
Nach Angaben der Experten der Carabinieri-Spezialeinheit zum Schutz des Kulturerbes handelt es sich um Aufzeichnungen zu einem Treffen mit Hitler am 22. April 1944 im Schloss Kleßheim bei Salzburg in Österreich. In ihnen sind demnach Punkte zu verschiedenen Themen der Bereiche »Streitkräfte«, »Politik« und »Wirtschaft und Arbeit« notiert. Sie dürften unmittelbar als Vorbereitung für das Treffen der beiden Diktatoren erstellt worden sein. Zum Inhalt der Notizen machte die Behörde keine Angaben.
Enge Verbündete
Die Blätter sind zwar undatiert, ihr Inhalt stimmt jedoch nach Angaben der Carabinieri mit den Themen überein, die Mussolini und sein enger Mitarbeiterkreis während des Treffens mit Hitler behandelten. Die Experten gehen davon aus, dass Mussolini die Notizen wahrscheinlich auch während der Konferenz verwendete, sie weisen nämlich eine vierfache Faltung auf.
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Mussolini (1883–1945) und Hitler (1889–1945) waren enge Verbündete. Mussolini hatte als Urheber des Begriffs Faschismus schon 1922 in Rom eine nationalistische Diktatur errichtet, an der sich Hitler beim Aufbau seines Naziregimes ab 1933 orientierte. Mussolini wurde 1943 gestürzt, hielt sich jedoch mit Hitlers Hilfe in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs an der Spitze eines Vasallenstaats in den unter deutscher Besatzungsmacht stehenden Teilen Italiens, der »Republik von Salò«. Die »Italienische Sozialrepublik« – so der offizielle Titel – hielt sich von September 1943 bis kurz vor Kriegsende. Auf der Flucht in die Schweiz wurde Mussolini Ende April 1945 von Partisanen am Comer See im Norden erschossen. Das persönliche Archiv des Diktators verschwand anschließend.
