SpOn 01.03.2026
08:06 Uhr

Belgien: Militär kapert Öltanker von russischer Schattenflotte


Gefälschte Registrierungen, schrottreife Schiffe, Störangriffe: Die russische Schattenflotte ist eine Gefahr für Schifffahrt und Umwelt. Belgien hat nun in der Nordsee einen Tanker geentert und zur Kursänderung gezwungen.

Belgien: Militär kapert Öltanker von russischer Schattenflotte

Belgien hat nach eigenen Angaben in der Nacht einen Öltanker der russischen Schattenflotte gekapert. Die belgischen Streitkräfte hätten das Schiff mit Unterstützung Frankreichs festgesetzt, schrieb Belgiens Verteidigungsminister Theo Francken auf der Plattform X. Der Tanker werde zum Hafen von Seebrügge eskortiert, wo er beschlagnahmt werde. Weitere Informationen nannte Francken zunächst nicht.

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Belgiens Premierminister Bart de Wever gratulierte dem Militär auf X zu »der erfolgreichen Operation in dieser Nacht«, ohne den Vorgang konkret zu benennen. Er dankte Frankreich und fügte hinzu: »Belgien wird das internationale Seerecht und die Sicherheit seiner Hoheitsgewässer wahren.«

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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nannte die Festsetzung des Öltankers auf der Plattform X einen »schweren Schlag« gegen die Schattenflotte. »In der Nordsee haben unsere Hubschrauber der französischen Marine in der vergangenen Nacht zur Enterung eines unter internationalen Sanktionen stehenden Öltankers durch belgische Sicherheitskräfte beigetragen«, schrieb er.

Die Europäer seien entschlossen, die Finanzierungsquellen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine durch die konsequente Durchsetzung der Sanktionen zu unterbinden. Die Ukraine begrüße das Vorgehen, schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bei X.

EU warnt vor Gefahren durch Schattenflotte

Die Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte sind oft heruntergekommene und unterversicherte Tanker, die unter der Flagge von Staaten wie Gambia, Panama oder den Komoren russisches Rohöl in Länder wie China oder Indien transportieren.

In den Zielländern wird das Öl aufbereitet, anschließend auf den internationalen Märkten verkauft. Auf dem Papier stammt der Rohstoff dann nicht mehr aus Russland und fällt damit nicht unter internationale Sanktionen. Frankreich schätzt die Größe der Flotte mittlerweile auf 1000 bis 1200 Schiffe, wovon 650 bis 700 mit Sanktionen belegt sind.

Die Schiffe der Schattenflotte stehen außerdem im Verdacht, unterseeische Infrastruktur des Westens wie Strom- und Datenkabel oder Gaspipelines absichtlich zu beschädigen. Der unter der Flagge der Cookinseln fahrende Tanker »Eagle S« soll am ersten Weihnachtsfeiertag 2024 mehrere Kabel zwischen Estland und Finnland mit seinem Anker gekappt haben.

Die EU warnt zudem schon länger davor, dass Schiffe der Schattenflotte als Plattform für den Start von Drohnen für Stör- oder Spionageangriffe genutzt werden können.

Die Hintergründe zu den Tankern der Schattenflotte und den Gefahren, die von ihnen in Nord- und Ostsee ausgehen, lesen Sie hier .

oka/dpa