SpOn 01.12.2025
15:23 Uhr

Bayern: Todesdrohung gegen zwölfjährigen Schiedsrichter – Verband will Opfer und Täter schützen


Bei einem D-Jugend-Spiel kam es im Oktober zu hässlichen Szenen. »Nach der Schule bist du tot«, soll ein Spieler dem Referee zugerufen haben. Sowohl Täter als auch Opfer sind erst zwölf. Der Verband will den Fall aufarbeiten.

Bayern: Todesdrohung gegen zwölfjährigen Schiedsrichter – Verband will Opfer und Täter schützen

Als Schiedsrichter ist man oft der ärmste Tropf auf dem Platz, denn im schlimmsten Fall zieht man den Hass vieler Beteiligter auf sich. Das musste im Oktober auch ein erst zwölfjähriger Junge leidvoll erfahren. Er war als Referee für ein D-Jugend-Spiel eingeteilt und wurde auf dem Platz aufs Übelste beschimpft und bedroht – von einem Gleichaltrigen. Der Vorgang beschäftigt seither auch den Bayerischen Fußballverband (BFV). »Das ist für uns ein Fall, der aufhorchen ließ«, sagte BFV-Präsident Christoph Kern im BR-Fernsehen.

Es gehe »auch um die Frage, wie gehen wir mit dem Fall um«, so Kern in der Sendung »Blickpunkt Sport« weiter. »Das Sportgerichtliche ist das eine, aber wir haben es mit zwei Zwölfjährigen zu tun, Täter und Opfer.« Sowohl der junge Schiri als auch der Spieler seien aktuell nicht im Einsatz.

»Nach der Schule bist du tot«

Der Spieler hatte dem Referee auf dem Platz unter anderem mit dem Tod gedroht. »Ich gehe mit dir auf dieselbe Schule. Am Montag brauchst du dich gar nicht zu verstecken – nach der Schule bist du tot«, soll der Jugendliche zum Schiedsrichter gesagt haben.

Kern berichtete dazu nun, der Verband habe eine Kinderpsychologin eingeschaltet und »die Eltern mit an den Tisch gebracht«. Natürlich müsse man das Opfer schützen. »Unser Blick muss auch auf den Täter gehen, auch der ist zwölf, und deshalb ist unser Ziel, dass wir es so aufarbeiten, dass es präventiv am Ende des Tages nicht mehr vorkommt«, erklärte der Funktionär. Wichtig sei es, alle an einen Tisch zu bekommen.

Fußball als Abbild der Gesellschaft

Am Ende müsse der Weg zurück in den Fußball im Vordergrund stehen, sagte Kern weiter. Es sei relevant, dass es in diesem Fall um Zwölfjährige gehe. Strafrechtlich sei der Fall in diesem Alter »nicht zu sanktionieren«, sagte Kern, der als Richter arbeitet.

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Gleichwohl sage der Fall einiges aus: »Wir erleben schon, dass unsere Gesellschaft sich verroht, dass der Ton rauer wird«, sagte Kern. »Der Fußball als Volkssport ist ein Abbild.« Da Fußball ein Sport in allen Schichten sei, erlebe man die gesellschaftliche Entwicklung auch auf dem Sportplatz.

Brych: Schiedsrichter müssen mit Angst zurechtkommen

Der frühere Weltschiedsrichter Felix Brych betonte, dass alle Beteiligten den Fußball schützen müssten. Mit der Angst im Spiel müsse jeder Schiedsrichter selbst zurechtkommen, sagte Brych. »Was danach passiert, das ist dann Aufgabe des Fußballs. Da sind alle gefordert, diesen Sport zu schützen, da ist die Fußballfamilie gefordert.«

Felix Brych

Felix Brych

Foto: Peter Kneffel / dpa

Nach jüngsten BFV-Angaben gab es bei rund 200.000 Spielen, die in Bayern in der vergangenen Saison elektronisch erfasst wurden, 80 Vorfälle. Der Anteil solcher Vorkommnisse sei über Jahre hinweg konstant. Durch die im Vergleich zu früher deutlich breitere mediale Verbreitung werde das möglicherweise anders wahrgenommen.

Felix Brych hat erst in diesem Jahr seine aktive Schiedsrichterkarriere beendet. Während die noch lief, hat er wenig von sich preisgegeben. Im Interview mit dem SPIEGEL eröffnete er seltene Einblicke. Den ganzen Text lesen Sie hier. 

mkh/dpa