SpOn 05.12.2025
12:53 Uhr

Bayern: Festnahmen wegen gefälschter Meisterbriefe


Ein Netzwerk soll mit falschen Meisterbriefen einen sechsstelligen Betrag verdient haben. Auch Zertifikate für die Einbürgerung wurden laut Polizei gefälscht.

Bayern: Festnahmen wegen gefälschter Meisterbriefe

Wer einen Friseursalon oder einen Kfz-Betrieb mit Lehrlingsausbildung führen will, braucht einen Meisterbrief. Diese sollen im großen Stil gefälscht worden sein, Käufer der Fälschungen konnten ohne erforderliche Ausbildung entsprechende Betriebe führen. Wegen der Fälschungen gab es bundesweite Durchsuchungen und Festnahmen, teilte das Polizeipräsidium in Nürnberg mit.

Zudem sollen die Tatverdächtigen gefälschte Zertifikate, darunter Sprachnachweise, verkauft haben, die Voraussetzung für Einbürgerungen in der Bundesrepublik sind. In mehreren Fällen erschlichen sich demnach Käufer dadurch die Einbürgerung. Die Täter sollen insgesamt eine sechsstellige Summe eingenommen haben.

Der 47-jährige Hauptverdächtige gab sich seinen Kunden gegenüber als Mitarbeiter der Handwerkskammer aus. Er setzte sich nach Polizeiangaben vor einer möglichen Verhaftung aus Deutschland ab. Seine 41-jährige Lebensgefährtin und ein mutmaßlicher 51-jähriger Zwischenhändler wurden verhaftet.

Ermittlungen gegen Fälschernetzwerk

Seit Januar 2024 ermittelt die Kriminalpolizei Erlangen gegen ein mutmaßliches Fälschernetzwerk. Bereits im Jahr 2020 wurden der Handwerkskammer Oberfranken demnach vereinzelt gefälschte Meisterbriefe aus Mittelfranken zur Eintragung in die Handwerksrolle vorgelegt, was eine Anzeige zur Folge hatte. Im Jahr darauf gab es auch in Erlangen vermehrt solche Anzeigen.

Die Spur führte zu einem 47-jährigen Tatverdächtigen. Er wurde im April vergangenen Jahres wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung von Meisterprüfungszeugnissen und Sprachzertifikaten in 48 Fällen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Noch vor Ende des Prozesses tauchten demnach im gesamten Bundesgebiet erneut Fälschungen auf, vor allem in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin. Der Verdacht fiel wieder auf den 47-Jährigen und sein Netzwerk aus Zwischenhändlern, zu dem auch seine 41-jährige Lebensgefährtin gehörte.

Bei bundesweiten Durchsuchungen in Wohnungen, Büros und Copyshops beschlagnahmten die Ermittler Anfang dieses Jahres umfangreiche Beweismittel und zahlreiche gefälschte Dokumente. Während der Hauptverdächtige außer Landes flüchtete, konnten seine Lebensgefährtin und ein weiterer Zwischenhändler verhaftet werden.

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Neben Meisterbriefen und -zeugnissen sowie Sprachzertifikaten soll das Netzwerk demnach Zertifikate für den für die Einbürgerung notwendigen Wissenstest, Bescheinigungen für das Sicherheitsgewerbe sowie Fachkundenachweise, die unter anderem für den Betrieb von Taxiunternehmen nötig sind, gefälscht haben. Die Käufer bezahlten zum Teil fünfstellige Beträge, um Prüfungen und den Nachweis von Deutschkenntnissen zu umgehen.

esk/AFP