SpOn 02.12.2025
10:06 Uhr

Bayer-Aktie schießt dank US-Unterstützung im Glyphosat-Streit in die Höhe


Der Chemiekonzern Bayer kann im milliardenschweren US-Rechtsstreit über das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat hoffen: Der höchste Anwalt der Trump-Regierung forderte den Obersten Gerichtshof auf, sich des Falls anzunehmen.

Bayer-Aktie schießt dank US-Unterstützung im Glyphosat-Streit in die Höhe

Die US-Regierung stärkt den deutschen Chemiekonzern Bayer im Glyphosat-Streit: Der Generalanwalt der Regierung sprach sich sich für ein Grundsatzurteil des Supreme Courts aus. Das Unternehmen aus Leverkusen strebt im Fall der milliardenteuren Rechtsstreitigkeiten um angebliche Gesundheitsrisiken des Unkrautvernichters solch eine Entscheidung an – und kann nun darauf hoffen.

Der Generalanwalt, der sogenannte Solicitor General, unterstütze den Antrag auf Prüfung eines Falls durch den US Supreme Court, teilte der Dax-Konzern in der Nacht mit. Bayer erhofft sich das Grundsatzurteil wegen widersprüchlicher Urteile von Bundesberufungsgerichten. Der Supreme Court hatte sich zunächst an den Solicitor General gewandt, um dessen Meinung einzuholen.

Die Aktien des Pharma- und Agrarchemiekonzerns schossen nach dem Votum um knapp 15 Prozent nach oben und waren damit auf Kurs zum größten Tagesplus seit mehr als 22 Jahren. »Der langjährige Glyphosat-Streit könnte jetzt vor dem Obersten US-Gericht, dem Supreme Court, verhandelt werden und damit ein für alle Mal zu einem Ende kommen«, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Broker RoboMarkets.

Bayer-Chef Anderson: Fall von »erheblicher Bedeutung«

In dem Fall geht es um angebliche Krebsrisiken durch Glyphosat und glyphosathaltige Mittel wie Roundup. Aus Sicht der US-Umweltbehörde EPA birgt Glyphosat keine Gesundheitsrisiken, wenn es entsprechend der Vorschriften angewendet wird. Die US-Umweltbehörde EPA hatte das Produktlabel entsprechend ohne Warnung genehmigt. Im Kern geht es in den Rechtsverfahren um die Frage, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Verkauf der Unkrautvernichter über dem Recht von Bundesstaaten steht.

Bayer begrüße, dass der Solicitor General den Antrag auf Prüfung des Falls Durnell durch den US Supreme Court unterstütze und die Argumentation des Unternehmens in der Frage nach dem Vorrang von Bundesrecht teile, hieß es von Bayer. Der Rückhalt durch die US-Regierung habe großen Einfluss auf die Entscheidung des Gerichts, ob es den Fall annehme. »Diese Rechtsfrage hat erhebliche Bedeutung, weil die falsche Anwendung von Bundesrecht die Verfügbarkeit von innovativen Lösungen für Landwirte sowie Investitionen in die US-Wirtschaft grundsätzlich gefährdet«, wird Bayer-Vorstandschef Bill Anderson in einer Mitteilung zitiert.

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In einem anderen Rechtsstreit um die Folgen der bereits seit Jahrzehnten verbotenen Umweltchemikalie PCB verglich sich der Konzern unterdessen mit dem US-Bundesstaat Illinois. Die übernommene Bayer-Tochter Monsanto stimmte der Zahlung von 120 Millionen US-Dollar zu, wie der Staatsanwalt von Illinois, Kwame Raoul, mitteilte. Dabei ging es um ein Verfahren aus dem Jahr 2022 rund um mit gefährlichen Schadstoffen belastete Gewässer und Mülldeponien.

Beide Probleme, Glyphosat und PCB, hatte Bayer sich 2018 unter dem ehemaligen Chef Werner Baumann mit der über 60 Milliarden Dollar teuren Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto ins Haus geholt.

Aktuell ist Bayer an der Börse rund 30 Milliarden Euro wert. Bayer hatte kurz nach dem Abschluss der Akquisition eine erste Niederlage in einem Glyphosat-Prozess einstecken müssen, die eine milliardenteure Klagewelle in den USA auslöste. Der Aktienkurs war dann über Jahre mehr oder weniger im freien Fall, der erst im April 2025 bei gut 18 Euro endete. Seither läuft ein Erholungsversuch.

apr/dpa-AFX/Reuters