Der Agrarkonzern BayWa hat in den ersten neun Monaten des Jahres deutlich weniger Umsatz gemacht. Dieser ging im Vergleich zum Vorjahr um 22 Prozent auf 9,6 Milliarden Euro zurück. Gründe waren unter anderem Preisrückgänge bei Getreide, rückläufige Traktorkäufe von Landwirten und die schwache Konjunktur in der Baubranche, erläuterte Vorstandschef Frank Hiller.
Doch auch die laufende Sanierung schlug sich auf den Umsatz nieder: Teils wurde das Sortiment bewusst ausgedünnt. Angesichts der angespannten Finanzsituation des Konzerns hielten sich aber auch Kunden mit Bestellungen zurück oder Ware war nicht verfügbar.
Dennoch zieht das BayWa-Management eine positive Zwischenbilanz zur Sanierung. Der Konzern liege mit seinen Effizienzmaßnahmen über dem Sanierungsplan, sagte Hiller.
Die BayWa hatte im vergangenen Jahrzehnt einen internationalen Expansionskurs eingeschlagen, finanziert auf Kredit. Der Konzern stieg in den Bau von Solar- und Windparks ein, in Neuseeland wurde ein Apfelplantagenbetreiber gekauft, in den Niederlanden der international agierende Getreidehändler Cefetra.
Mit dem Ende der Niedrigzinsphase wurde dies zum Problem. Im Sommer 2024 geriet der Konzern in finanzielle Schieflage, der Schuldenstand summierte sich auf sieben Milliarden Euro. Eine drohende Zahlungsunfähigkeit wurde durch Finanzspritzen der beiden Hauptaktionäre und der kreditgebenden Banken abgewendet.
Zum Schuldenabbau sollen auch Verkäufe beitragen, etwa des Getreidehändlers Cefetra. Hier war der Verkauf an den Unternehmer Peter Goedvolk auf der Zielgeraden geplatzt. Der Niederländer sei nicht in der Lage gewesen, den vereinbarten Kaufpreis zu finanzieren, sagte Hiller.
»Restrukturierungen sind immer Achterbahnfahrten«
Es gebe aber nun eine neue Investorengruppe, die großes Interesse habe. Nun hofft die BayWa auf eine Unterzeichnung der Verträge noch in diesem Jahr. Mit dem Verkauf von Cefetra sollen die Schulden um weitere 600 Millionen Euro sinken.
Bis 2028 sollen alle Beteiligungen außerhalb des Kerngeschäfts verkauft sein, die Bankverbindlichkeiten von 5,4 Milliarden Euro sollen dann auf 1,3 Milliarden reduziert worden sein.
»Restrukturierungen sind immer Achterbahnfahrten«, kommentierte der zuständige Vorstand Michael Baur die Turbulenzen. Er räumte zugleich ein, die BayWa sei einer der komplexesten Restrukturierungsfälle in Deutschland.
Für 2026 steht der Verkauf des neuseeländischen Apfelanbauers Turners & Growers an.
Auch Trump funkt dazwischen
Ein Problem für die BayWa ist zudem Donald Trumps Energie- und Steuerpolitik. Aktuell muss gerechnet werden, inwiefern die 51-Prozent-Tochtergesellschaft BayWa r.e. von der geplanten Einschränkung der staatlichen Förderung von erneuerbaren Energien in den USA betroffen ist.
Anfang 2026 soll feststehen, ob Projekte in den USA abgeschrieben werden müssen. Das könnte wiederum den Sanierungsplan der BayWa torpedieren, weil sie der Tochter milliardenschwere Gesellschafterdarlehen gegeben hat.
Auch die Belegschaft wird im Zuge der BayWa-Sanierung drastisch schrumpfen. Ende 2023 beschäftigte der Konzern weltweit über 23.000 Menschen, bis Ende 2028 könnten es noch etwa 8000 sein.
Deutliche Kritik äußerte Vorstandschef Hiller am Managementgebaren seiner Vorgänger. »Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass das Management keinen guten Job gemacht hat«, sagte er. Tochterfirmen seien schlecht gemanagt und integriert worden. »Da ging es wohl mehr um sich selbst als um die Firma«, sagte Hiller.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen derzeit »unrichtiger Darstellung« in der Bilanz 2023 gegen die vier damals amtierenden Vorstände. Die Finanzaufsicht Bafin hat im Jahresabschluss 2023 Fehler beanstandet.
Zudem lässt der heutige Vorstand mögliches Fehlverhalten ehemaliger Spitzenmanager prüfen. Auch die Rolle der Aufsichtsräte soll durchleuchtet werden.
Genossenschaftliche Verbände sind die größten Eigentümer der BayWa. Der Konzern ist vor allem für Landwirte ein systemrelevanter Partner. Sie können dort Getreide verkaufen, beziehen von dort Dünger, Saatgut und Maschinen.
