SpOn 09.12.2025
12:31 Uhr

Bahngewerkschaft EVG protestiert gegen Kauf chinesischer Elektrobusse von BYD


Die Deutsche Bahn braucht Elektrobusse, fündig wurde sie beim Hersteller BYD aus China. Angesichts von Appellen zum Standortpatriotismus findet die Gewerkschaft EVG das einen »schlechten Scherz«.

Bahngewerkschaft EVG protestiert gegen Kauf chinesischer Elektrobusse von BYD

Ein geplanter Kauf chinesischer Elektrobusse durch die Deutsche Bahn stößt auf scharfe Kritik der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). »Wir werden das im Aufsichtsrat der Bahn zum Thema machen«, sagte EVG-Chef und Aufsichtsratsvize Martin Burkert dem SPIEGEL. Erst vor wenigen Wochen habe die Bundesregierung von der Wirtschaft mehr Standortpatriotismus gefordert. »Dass jetzt aber ausgerechnet das Staatsunternehmen Deutsche Bahn Elektrobusse billig in China einkaufen will, klingt da wie ein schlechter Scherz.«

Die Deutsche Bahn hatte Anfang April einen umfassenden Auftrag zur »Lieferung von Omnibussen« ausgeschrieben, gesucht wurden dabei unter anderem Lieferanten für Elektrobusse. Für einen Teil des Auftrags, der wie bei der Bahn üblich in sogenannte Lose aufgeteilt ist, wurde nach SPIEGEL-Informationen der chinesische Autobauer BYD als Hauptlieferant ausgewählt. Weitere Verträge gingen an den chinesischen Hersteller Zhongtong Bus sowie MAN. Bei dem Teilauftrag für BYD soll es um rund 700 Busse gehen, insgesamt um mehrere Tausend Fahrzeuge.

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Zu Details wollte die Bahn sich nicht äußern. Der Konzern führe derzeit »eine europaweite Ausschreibung über die Lieferung von Omnibussen durch«, sagte ein Sprecher auf Anfrage. »Es geht dabei um mehrjährige Rahmenverträge.« Vor dem offiziellen Ende der Ausschreibung könne man keine weiteren Auskünfte zu dem Verfahren geben. Die Aufträge an BYD und Zhongtong Bus gehen jeweils an europäische Tochterfirmen der chinesischen Konzerne.

Die eng mit der EVG verbundene SPD hatte zuletzt von der deutschen Industrie gefordert, diese müsse im Gegenzug für staatliche Unterstützung heimische Arbeitsplätze sichern. »Ein bisschen mehr Standortpatriotismus kann ich mir von dem einen oder dem anderen in der Unternehmensführung schon wünschen«, sagte Co-Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil etwa bei einem Kongress der Gewerkschaft IG BCE. Auch in einem Beschluss des SPD-Vorstands heißt es: »Wir fordern Standortpatriotismus von unserer Wirtschaft.«

Warnung vor Kampfpreisen

Diese Forderungen greift EVG-Chef Burkert nun auf. »Die Bundesregierung ist Eigentümerin der Bahn«, sagt er. »Wir erwarten, dass sie nicht nur Forderungen in den Raum wirft, sondern den Kampf um deutsche Jobs ernst meint.« China dränge »mit aggressiven Kampfpreisen auf den europäischen Markt und Deutschland droht, darauf reinzufallen«.

Die Bahn-Regionaltochter DB Regio betreibt bundesweit auch Linienbusse. Bereits 2021 bestellte DB Regio erstmals Elektrobusse bei BYD. Der chinesische Hersteller wächst mit seinen Elektroautos stark und überholte im vergangenen Jahr erstmals den einstigen Marktführer Tesla beim Umsatz. Elektrobusse produziert BYD auch in Ungarn, dort legte das Unternehmen Mitte des Jahres den Grundstein für eine Erweiterung seines Werks. Die jährliche Produktion soll damit auf bis zu 1250 Busse verdreifacht werden.