Bafög, Stipendien, Studienkredite – der Staat bietet eine Reihe von Möglichkeiten, um junge Menschen bei der Finanzierung eines Hochschulstudiums zu unterstützen. Doch immer weniger nehmen diese in Anspruch. 2024 bezogen lediglich 15,1 Prozent der Studierenden in Deutschland finanzielle Unterstützung aus staatlichen Mitteln. Im Vorjahr waren es noch 1,7 Prozent mehr.
Umgekehrt bedeutet das: Der überwiegende Teil der Studierenden finanziert die Ausbildung aus privaten Mitteln. Das ermittelte das CHE Centrum für Hochschulentwicklung anhand von Zahlen des Statistischen Bundesamtes, des Bundesministeriums für Forschung sowie aus Selbstauskünften der Anbieter.
Insgesamt bezogen 2024 326.000 Studierende eine Bafög-Förderung, also rund 11,4 Prozent. 69.000 Personen erhielten Mittel aus einem Stipendium wie dem Aufstiegsstipendium, dem Deutschlandstipendium oder einem Stipendium der Begabtenförderungswerke. Das entspricht etwa 2,4 Prozent der Studierenden. Einen staatlichen Studienkredit nahmen rund 44.000 Personen (1,4 Prozent) in Anspruch. Einzig das Deutschlandstipendium verzeichnete von 2023 auf 2024 einen minimalen Zuwachs.
Jobben statt Bafög
Statt staatliche Förderung in Anspruch zu nehmen, erarbeiten sich Studierende ihren Lebensunterhalt zunehmend selbst. Laut einer Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung stieg die Erwerbsquote unter Studierenden im Alter von 20 bis 24 Jahren zwischen 2015 und 2023 um 19 Prozentpunkte.
Ulrich Müller, Leiter der politischen Analysen beim CHE, sieht diese Entwicklung mit Besorgnis: »Damit nimmt die Politik stillschweigend in Kauf, dass die meisten Studierenden sich nicht voll und ganz aufs Studium konzentrieren können – die Studienorganisation ist aber nicht überall entsprechend flexibel gestaltbar«, so Müller. Es drohten längere Studienzeiten, eine eingeschränkte Fach- und Ortswahl sowie eine Zunahme von Studienabbrüchen.
Studierendenvertreter fordern seit Langem Reformen in der staatlichen Studienfinanzierung. Kritikpunkte am Bafög sind etwa bürokratische Hürden, mangelnde Digitalisierung und die Kopplung ans elterliche Einkommen.
