Der chinesische Autokonzern BYD hat seine größte Batterieneuheit seit sechs Jahren eingeführt. Damit sei man »bereit, die letzten Hürden für die breite Akzeptanz von E-Mobilität zu überwinden«, heißt es in einer Mitteilung der deutschen Niederlassung vom Freitag. Den Akku namens Blade 2.0 nannte das Unternehmen »die weltweit fortschrittlichste E-Auto-Batterie«.
Darin verbergen sich Lithium-Eisenphosphatzellen (LFP) in flacher, länglicher Form wie Klingen. Nach diesem Prinzip werden die Blade-Batterien seit 2020 gebaut. Die neue Generation steigert laut BYD »signifikant« die Ladegeschwindigkeit, ohne dafür an Energiedichte einzubüßen. Diese sei hingegen noch um fünf Prozent gesteigert worden.
Damit verspricht der Hersteller, die ersten mit besonders großen Blade-2.0-Akkus ausgerüsteten Autos seiner Oberklassemarken Yangwang und Denza könnten ohne Aufladen mehr als 1000 Kilometer weit fahren. Zumindest gelte dies nach dem chinesischen Testzyklus CLTC, der weniger schnelle Autobahn- und Landstraßenfahrten verlangt als das in Europa vorgeschriebene Prüfverfahren WLTP und damit Energie spart. Nach China-Standard kommt der Denza Z9 GT auf eine Reichweite von bis zu 1036 Kilometer. Dieses Shooting-Brake-Modell – eine Mischung aus Coupé und Kombi – soll als erstes Fahrzeug mit der neuen Batterietechnik auch in Europa angeboten werden. Daten zur hiesigen Version würden in den kommenden Wochen veröffentlicht, hieß es.
Ungewöhnliches Versprechen
In nur neun Minuten soll sich der Akku den Angaben zufolge fast vollständig (von zehn auf 97 Prozent) laden lassen. Dafür sorgt eine Ladeleistung von rekordträchtigen 1500 Kilowatt, die jedoch eine entsprechend leistungsfähige Ladestation voraussetzt. Ein Netz solcher »Flash Charger« baut BYD selbst. Inzwischen gebe es mehr als 4200 ultraschnelle Stationen in China, bis zum Jahresende sollen es 20.000 werden. Auch für Europa hat BYD Tausende »Flash Charger« angekündigt.
BYD gibt an, das Ladetempo nehme selbst bei strengem Frost wie minus 30 Grad nur leicht ab. BYD-Chef Wang Chuanfu zufolge beseitige man damit die letzten Nachteile elektrischer Fahrzeuge gegenüber Verbrenner-Pkw. »Nur so könnten auch die verbleibenden Verbraucher den endgültigen Schritt hin zur Elektromobilität vollziehen«, wird Wang zitiert.
Zudem gab das Unternehmen an, die Batterie habe extremen Belastungstests mit häufig wiederholtem Schnellladen, Kurzschlüssen und dem Einschlagen von Nägeln standgehalten. Damit sei bewiesen, dass sie sicher und langlebig sei. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht. Laut dem Portal »CNEVPost« gibt BYD für Blade 2.0 in China eine lebenslange Garantie. In der deutschen Mitteilung ist von diesem ungewöhnlichen Versprechen keine Rede.
BYD ist der weltgrößte Anbieter von Elektroautos. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern gut 4,5 Millionen Pkw, etwa zu gleichen Teilen vollelektrische Autos und Plug-in-Hybride mit zusätzlichem Verbrennungsmotor. Damit lösten die Chinesen den schwächelnden US-Konzern Tesla bei reinen E-Autos ab. Zugleich zeigte BYD selbst Schwäche auf dem Heimatmarkt: Dort schrumpfte der Absatz des Marktführers sogar, obwohl das E-Autogeschäft insgesamt kräftig wuchs. Verfolger wie Geely, Wuling oder Leapmotor gewannen Marktanteile. Seit dem Jahreswechsel gingen die Verkäufe noch weiter zurück, nachdem China die Befreiung für E-Autos von der Pkw-Zulassungsteuer eingeschränkt hatte.

