SpOn 14.02.2026
08:20 Uhr

BND: Martin Jäger plädiert für Vergeltungsmaßnahmen bei hybrider Kriegsführung


Mehr als 3000 mutmaßliche Sabotagefälle haben die deutschen Behörden 2025 registriert. Im Verdacht steht Russland. Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes hat sich in München für eine schmerzhafte Antwort ausgesprochen.

BND: Martin Jäger plädiert für Vergeltungsmaßnahmen bei hybrider Kriegsführung

Spionage, Sabotage, koordinierte Aktionen via Telegram: Als Reaktion auf Russlands hybride Kriegsführung hat sich der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Martin Jäger, künftig für vergleichbare Gegenmaßnahmen ausgesprochen – auch von Deutschland. Letztlich müsse Russland klargemacht werden, dass es Konsequenzen haben werde, wenn es so weitermache, sagte er am Freitag bei der Münchner Sicherheitskonferenz. »Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir viel öfter beweisen sollten, dass wir in der Lage sind, sehr ähnliche Dinge zu tun, damit auch die andere Seite den Schmerz spürt.«

Kritik an bisherigen Maßnahmen

Bisher funktioniere die Abschreckung noch nicht, sagte Jäger. Das werfe die Frage auf, »ob wir diese Entwicklungen einfach weiter beobachten und dokumentieren wollen oder ob wir einen Punkt erreicht haben, an dem wir aktive Gegenmaßnahmen ergreifen müssen«, sagte Jäger. »Meiner Meinung nach muss und wird der Dienst operativer werden.« Dies gelte auch für den BND.

Jäger betonte, Russland stünden bis zu 60.000 Geheimdienstmitarbeiter weltweit zur Verfügung, »wobei eine noch größere Zahl von kooptierten Personen – ehemalige Militärangehörige, Beschaffungshelfer und andere Stellvertreter – noch nicht einmal mitgezählt ist«. Das Bundeskriminalamt habe 2025 3021 mutmaßliche Sabotagefälle registriert. »Es ist wahrscheinlich, dass russische Akteure und ihre Telegram-Agenten hinter zahlreichen dieser Vorfälle stecken.«

Appell an die Öffentlichkeit

Die Auseinandersetzung mit hybrider Kriegsführung erfordere einen gesamtstaatlichen Ansatz, sagte Jäger. »Die Abschreckung hybrider Kriegsführung beginnt mit Resilienz, und Resilienz beginnt mit dem Verständnis der russischen Denk- und Handlungsweise – nicht nur unter Experten und Politikern, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit.« Die Öffentlichkeit sei das Hauptziel und müsse verstehen, »dass scheinbar zusammenhanglose hybride Aktivitäten strategisch miteinander verbundene feindselige Handlungen sind«.

Mehr zum Thema

Am Eröffnungstag der Münchner Sicherheitskonferenz sprach auch Bundeskanzler Friedrich Merz. Lesen Sie hier fünf Erkenntnisse aus seiner Rede.

atr/dpa