SpOn 21.11.2025
17:36 Uhr

Auto: Mehr Pkw in Deutschland, aber Fahrleistung nimmt ab


Das Auto bleibt Hauptverkehrsmittel in Deutschland – es wird laut einer groß angelegten Untersuchung aber seltener bewegt. Zu Fuß hingegen geht es zunehmend voran.

Auto: Mehr Pkw in Deutschland, aber Fahrleistung nimmt ab

Autos werden im Durchschnitt pro Tag stetig weniger genutzt. Das ergab die Studie »Mobilität in Deutschland«  des Infas-Instituts im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums, die Minister Patrick Schnieder (CDU) am Freitag in Berlin vorstellte. Demzufolge wird fast die Hälfte der Autos an einem durchschnittlichen Tag nicht bewegt, die mittlere Fahrleistung eines Pkw sank auf 26 Kilometer. In einer vorigen Untersuchung aus dem Jahr 2008 sei lediglich ein Drittel der Autos am Tag stehen geblieben.

»Das Auto bleibt weiterhin das wichtigste Verkehrsmittel«, sagte Schnieder. Zwar werde erstmals etwas weniger gefahren, das Auto bleibe aber für viele Menschen gerade in ländlichen Gebieten unverzichtbar. Laut den neuen Daten werden 53 Prozent aller Wege und 73 Prozent aller Kilometer als Fahrer oder Mitfahrer im Pkw zurückgelegt. Damit ist der Wegeanteil seit der vorigen Untersuchung um vier Prozentpunkte gesunken. Insgesamt sind die Deutschen mit allen Verkehrsmitteln durchschnittlich 84 Minuten pro Tag unterwegs.

Für die größte Studie zur Alltagsmobilität wurden zwischen Mai 2023 und Juni 2024 insgesamt 421.000 Personen in mehr als 1000 Städten und Gemeinden befragt. Die Studie wurde bereits in den Jahren 2002, 2008 und 2017 veröffentlicht.

Elektroautos fahren zunehmend auch Langstrecke

Zu den Erkenntnissen zählt, dass Elektroautos nicht mehr nur für kürzere Wege genutzt werden, sondern fast genauso wie Verbrenner. Es gebe es bei der Jahresfahrleistung und den Streckenlängen pro Fahrt kaum noch Unterschiede, hieß es in der Studie. »Heute liegt der Anteil für längere Strecken ab 30 Kilometern mit 13 Prozent annähernd gleichauf mit den Weglängen, die mit Verbrennerfahrzeugen zurückgelegt werden.« Die Jahresfahrleistung von E-Autos betrage im Schnitt 14.600 Kilometer, während es bei allen Wagen 13.700 seien, bei neueren Verbrennern ab dem Zulassungsjahr 2020 aber 16.800 Kilometer. Studienautor Robert Follmer sagte, lediglich bei ganz langen Wegen wie Urlaubsfahrten gebe es noch Nachholbedarf.

Schnieder sagte, die Bundesregierung werde die Ladeinfrastruktur für E-Autos weiter ausbauen. Mit dem Haushalt für 2026 werde es Mittel für mehr Lademöglichkeiten in Mehrfamilienhäusern geben.

Fußverkehr wächst stark

Auffällig ist, dass der Fußverkehr deutlich an Bedeutung gewonnen hat und nun auf dem höchsten Niveau seit 2008 liegt. Vier Prozent aller Kilometer werden zu Fuß zurückgelegt. Zum Vergleich: Mit dem Fahrrad sind es elf Prozent, wobei davon inzwischen gut zwei Prozentpunkte auf das E-Bike entfallen. Follmer sagte, es würden seit der Coronapandemie öfter Hunde ausgeführt, außerdem sei das Gesundheitsbewusstsein mit Schrittzählern ausgeprägter als in der Vergangenheit.

Der öffentliche Verkehr hat sich hauptsächlich dank des Deutschlandtickets vom Coronatief erholt. Bei 16 Prozent der befragten Personen ist es der Studie zufolge das übliche Ticket. In Metropolen liegt der Anteil sogar bei 33 Prozent. Das Deutschlandticket wird auch nicht nur für den Weg zur Arbeit genutzt. 32 Prozent der Fahrten sind Freizeitwege.

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Beim Deutschlandticket gibt es inzwischen Planungssicherheit: Es ist finanziell bis 2030 abgesichert. Nach dem Bundestag stimmte auch der Bundesrat einer Gesetzesänderung zu. Demzufolge stellt der Bund jährlich 1,5 Milliarden Euro zum Ausgleich von Einnahmeausfällen bei Verkehrsanbietern zur Verfügung. Die Länder geben ebenfalls insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Ab Januar 2026 kostet das Ticket 63 Euro statt derzeit 58 Euro im Monat. Ab 2027 soll der Preis mit einem Index ermittelt werden, der noch festgelegt werden soll.

ahh/dpa/Reuters