SpOn 16.01.2026
04:45 Uhr

Australien: Fast fünf Millionen Social-Media-Accounts im ersten Monat des Verbots gesperrt


Seit Australiens Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige greifen TikTok, Instagram und andere Techkonzerne hart durch: Innerhalb eines Monats wurden 4,7 Millionen Jugendkonten gesperrt – weit mehr als zuvor erwartet.

Australien: Fast fünf Millionen Social-Media-Accounts im ersten Monat des Verbots gesperrt

Einen Monat nach Inkrafttreten eines Verbots von sozialen Medien für unter 16-Jährige in Australien haben ‌die Anbieter 4,7 Millionen Konten von australischen Jugendlichen gesperrt. Dies teilte die Internet-Aufsichtsbehörde des Landes mit. »Heute können wir verkünden, dass es funktioniert«, sagte Premierminister Anthony Albanese auf einer Pressekonferenz. »Dies erfüllt Australien mit Stolz. Es ist ein weltweit wegweisendes Gesetz, das nun in vielen Ländern als Vorbild dient«, so ‌Albanese.

Das Gesetz war am 10. Dezember in Kraft getreten. Bei Verstößen drohen ⁠den ‍Plattformen Geldstrafen von bis zu 49,5 Millionen australischen Dollar (rund 28,5 Millionen Euro). Betroffen sind unter anderem die Meta-Dienste Instagram, Facebook und Threads, Googles ​YouTube, X, TikTok, Snapchat. Ausgenommen sind mehrere Apps, die laut eSafety vorwiegend fürs Austauschen von Nachrichten oder zum Spielen genutzt werden, darunter Facebook Messenger, Pinterest, WhatsApp und YouTube Kids.

Reddit teilte mit, ‌sich an ⁠die Vorgaben zu halten, klagt jedoch gegen das Verbot. Die Zahl der gesperrten Konten ist deutlich höher als die Schätzungen vor der Einführung des Gesetzes.

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Das Vorgehen wird weltweit von Regulierungsbehörden beobachtet. ⁠Frankreich, Malaysia und Indonesien haben angekündigt, ähnliche Gesetze einführen zu wollen. Kritiker hatten die Durchsetzbarkeit des Verbots infrage gestellt. ‌Die zuständige Kommissarin, Julie Inman ‍Grant, räumte ein, dass einige Konten von Minderjährigen weiterhin aktiv seien. »Wir erwarten nicht, ‍dass Sicherheitsgesetze jeden einzelnen Verstoß verhindern«, sagte sie.

Die australische Regierung und die Behörde für Internetsicherheit haben bereits klargestellt, dass sie damit rechnen, dass Jugendliche versuchen werden, das Verbot zu umgehen. Zum Beispiel, indem sie gefälschte Ausweise oder mit KI manipulierte Fotos von sich vorlegen. Den Jugendlichen oder ihren Eltern droht aber keine Strafe. Die Verantwortung liegt allein bei den Techkonzernen. Eine Studie mit Experten für psychische Gesundheit soll die ‍langfristigen Auswirkungen des Verbots über mehrere Jahre untersuchen.

jon/Reuters