SpOn 31.01.2026
15:38 Uhr

Australian Open: Jelena Rybakina triumphiert - an der Seite ihres umstrittenen Trainers


Power trifft auf Power, Ruhe auf Emotionalität: In Melbourne lieferten sich Jelena Rybakina und Aryna Sabalenka ein faszinierendes Duell. Ebenfalls im Fokus steht der Coach der Siegerin.

Australian Open: Jelena Rybakina triumphiert - an der Seite ihres umstrittenen Trainers

Die Szene des Spiels: Drei Minuten waren in Melbourne gespielt, da durften die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Rod-Laver-Arena bereits erleichtert aufatmen. Bis zum Finale war es ein verhältnismäßig ereignisloses Turnier der Frauen gewesen. In der vergangenen Woche ging kein Match über die volle Distanz, ohne Satzverlust waren Jelena Rybakina und Aryna Sabalenka ins Finale geprescht. Dort zeigte sich jedoch schon während der ersten Ballwechsel: Wenn es jemand mit Sabalenkas Power aufnehmen kann, dann Rybakina. Zweimal schickte sie Sabalenkas Aufschlag unerreichbar zurück übers Netz. Es folgte ein Break gleich im ersten Spiel. Und ein faszinierendes Match.

Das Ergebnis: Nach Wimbledon 2022 gewinnt Jelena Rybakina, 26, bei den Australian Open ihren zweiten Grand-Slam-Turniertitel. Gegen Sabalenka, die Nummer eins der Weltrangliste, setzte sie sich 6:4, 4:6, 6:4 durch. Es war ein denkbar knappes Spiel: Beide Spielerinnen gewannen 92 Punkte.

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Schlag auf Schlag: Die Erwartungen an das Finale waren hoch. Vor drei Jahren hatten die sich bereits im Endspiel von Melbourne gegenübergestanden und hochklassiges Tennis gezeigt, damals mit besserem Ausgang für Sabalenka. Bei den WTA-Finals im November sicherte sich dann Rybakina gegen Sabalenka den Titel. Sabalenka ist die konstanteste Spielerin auf der Tour, eine der besten Hartcourtspielerinnen ihrer Generation. Doch niemand ist aktuell so formstark wie die Weltranglistenfünfte Rybakina, die 19 ihrer vergangenen 20 Spiele gewonnen hatte. Beide spielen aggressiv und mit viel Tempo. »First strike tennis«, sagt man im Englischen. Wer blinzelt zuerst?

Der erste Satz: Sabalenka gewann den Münzwurf und entschied sich für Aufschlag. Doch das Tempo diktierte von Beginn an Rybakina. Sauber traf sie die Bälle, stand bei Sabalenkas zweiten Aufschlägen weit im Feld und spielte genau so, wie es Sabalenka vor der Partie befürchtet hatte: »hart, lang und flach«. Die Nummer eins der Welt haderte sichtlich mit der passiven Rolle, die sie von Rybakina aufgezwungen bekam. Immer wieder musste Sabalenka in vollem Lauf den Vorhand-Slice auspacken, um Tempo aus den Ballwechseln zu nehmen. Reagieren statt diktieren. Eine Spielanlage, die sich nicht mit Sabalenkas Selbstverständnis vereinbaren lässt.

Feuer und Eis: So sehr sich Sabalenka und Rybakina in ihrem Spielstil ähneln, so unterschiedlich verhalten sie sich zwischen den Ballwechseln. Sabalenka zeigt ihre Emotionen, ist hart im Umgang mit sich selbst und ihrem Team. Im ersten Satz war sie dauergenervt, ein »come on« von ihr nur einmal zu hören. Rybakina dagegen bleibt stets in sich gekehrt, unabhängig vom Spielverlauf. Ob sie nun einen wichtigen Punkt oder einen wichtigen Titel gewonnen hat, lässt sich an ihrem Gesichtsausdruck kaum ablesen.

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Eine »toxische« Beziehung? Der Gegenpol zu Rybakinas Ruhe ist ihr Trainer. Stefano Vukov, mit dem die Kasachin zusammenarbeitet, seit sie 19 Jahre alt ist, ist selbst in der TV-Übertragung ständig zu hören. Auf Russisch oder Englisch gibt er Rybakina Anweisungen. Bei der Siegerehrung bekam auch er eine Trophäe. Der Kontrast zum Vorjahr hätte damit nicht größer sein können: Bei den Australian Open 2025 bekam Vukov keine Akkreditierung. Die WTA hatte ihn gesperrt.

In einem Untersuchungsbericht, aus dem »The Athletic« zitierte, sprach die WTA von einem »Abhängigkeitsverhältnis« zwischen Vukov und Rybakina. Er soll sie emotional misshandelt und auch ihr körperliches Wohlbefinden beeinträchtigt haben. Rybakina verteidigte Vukov und freute sich, als die Suspendierung im vergangenen August aufgehoben wurde. Seitdem Vukov wieder in ihrer Box sitzt, ist sie so erfolgreich wie noch nie. »Er kennt mich natürlich am besten«, sagte Rybakina in Melbourne. »Seine Ratschläge auf dem Platz, während der Matches, machen definitiv einen Unterschied.«

Stefano Vukov klatscht mit Rybakina ab

Stefano Vukov klatscht mit Rybakina ab

Foto:

Edgar Su / REUTERS

Der zweite Satz: Beide Spielerinnen verschwanden nach dem ersten Durchgang in den Katakomben. Dem außergewöhnlichen Niveau tat das keinen Abbruch. Es blieb ein Powerduell von der Grundlinie, ohne dabei eintönig zu werden. Sabalenka nutzte schließlich ihren sechsten Breakball, um Rybakina zum Satzgewinn erstmals den Aufschlag abzunehmen. Eine beeindruckende Serie setzte sich fort: Bei Grand-Slam-Turnieren hat Sabalenka seit 114 Spielen immer mindestens einen Satz gewonnen.

Der dritte Satz: Während Sabalenka entschlossener wurde, wuchs bei Rybakina die Verunsicherung. Je länger der Ballwechsel, desto eher ging er an Sabalenka, die 3:0 davonzog. »Mehr Energie«, forderte Vukov von Rybakina – und nach zwei Stunden Spielzeit war die Partie wieder ausgeglichen. Rybakina beendete die Partie, wie sie sie begonnen hatte: den Ball satt in der Mitte des Schlägers treffend, kraftvoll und elegant. Man muss nicht viel von Tennis verstehen, um bei Rybakina außergewöhnliche Veranlagungen zu erkennen.

Finale Probleme: Bei 14 der vergangenen 17 Grand-Slam-Turniere stand Sabalenka im Halbfinale. Regelmäßig schafft sie es auch ins Endspiel – das sie allerdings auch regelmäßig verliert. Teilweise ist Sabalenka in den ersten Runden so unterfordert, dass sie entnervt, fast schon beleidigt scheint, wenn die Dinge gegen sie laufen. Sie arbeitet an ihrer Mentalität, und in Melbourne sah es im zweiten Satz so aus, als hätte sie es tatsächlich geschafft, die Frustration aus dem ersten Durchgang zu überwinden. Im dritten Satz verlor sie sich zwar nicht in negativen Emotionen, wohl aber ihren Aufschlag. »Das muss sie über die Linie bringen«, sagte Boris Becker bei Eurosport. »Sie ist hektisch geworden, der Arm ein bisschen schwer.« Rybakina dagegen schwang voll durch. Ihren ersten Matchball verwandelte die beste Aufschlägerin der Welt mit einem Ass.