Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall und der Bremer Raumfahrt- und Technologiekonzern OHB planen offenbar den gemeinsamen Bau eines Satellitensystems für die Bundeswehr. Es gebe Gespräche der beiden Konzerne über das Projekt, berichten die »Financial Times« (FT) und das »Handelsblatt«.
Laut »FT« befinden sich die Gespräche in einem frühen Stadium. Gemeinsam wollten sich Rheinmetall und OHB um den Aufbau eines mit Elon Musks Starlink vergleichbaren Kommunikationssystems für die Bundeswehr bewerben. Der Auftragswert könnte bei rund zehn Milliarden Euro liegen. Rheinmetall kommentierte die Angaben nicht. Von OHB war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.
Satellitengeschäft als Zukunftsmarkt
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte im vergangenen Herbst angekündigt, 35 Milliarden Euro in die militärische Nutzung des Weltalls investieren zu wollen. Im Zentrum steht der Aufbau eines eigenen Satellitennetzwerks, es geht aber auch darum, überhaupt besseren Zugang zum All zu gewinnen. Bislang ist Europa in beiden Bereichen stark von Elon Musks SpaceX-Konzern abhängig, der Trägerraketen baut und zu dem auch das Satellitennetzwerk Starlink gehört.
Rheinmetall betrachtet das Satellitengeschäft als Zukunftsmarkt. Acht bis zehn Milliarden Euro Umsatz sollen künftig aus dem Geschäft mit der Digitalisierung kommen, das auch Satelliten umfasst, hatte der Konzern angekündigt.
Die Düsseldorfer arbeiten in dem Bereich bereits mit dem finnischen Satellitenhersteller Iceye zusammen und hatten Ende vergangenen Jahres einen ersten Auftrag der Bundeswehr über rund 1,7 Milliarden Euro erhalten. Das Bremer Familienunternehmen OHB ist Europas drittgrößter Satellitenbauer.
- Spock-System von Rheinmetall-Joint-Venture: Bundeswehr bekommt Radarsatelliten – und schreibt den Milliardenauftrag nicht aus Von Matthias Gebauer und Christoph Seidler
- Starlink und SpaceX: So will Europa gegen Musk noch gewinnen Von Michael Brächer, Martin Hesse, Christoph Seidler und Matthias Gebauer
Zusammen treten Rheinmetall und OHB mit den Plänen gegen eine zweite europäische Gruppe rund um den deutsch-französischen Konzern Airbus an. Airbus hatte im Herbst angekündigt, seine Weltraumsparte mit der französischen Thales und der italienischen Leonardo zusammenzulegen, um gemeinsam die europäische Aufrüstung im All voranzutreiben.
OHB-Chef Marco Fuchs hatte nach dieser Ankündigung Sorge geäußert, das Gemeinschaftsunternehmen um Airbus könne andere Marktteilnehmer an die Wand drücken. Die Allianz mit Rheinmetall könnte ein Versuch sein, das zu verhindern. OHB verfügt mit dem Start-up Rocket Factory Augsburg über eine Tochterfirma, die eine kleine Trägerrakete bauen will.

