Die Bundesregierung erwägt, Flüssigerdgas-Importe (LNG) aus Argentinien mit staatlichen Garantien zu unterstützen. Es liege seit Ende Januar 2026 »eine Voranfrage vor, die sich auf ein LNG-Projekt in der Provinz Río Negro in Argentinien bezieht«, schreibt das Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linkenpolitikerin Tamara Mazzi, die dem SPIEGEL vorliegt. Auf Nachfrage räumte das Ministerium die Prüfung der Garantien für Argentinien ein.
Bei der angefragten Absicherung geht es um Garantien für sogenannte Ungebundene Finanzkredite (UFK). Das sind staatliche Garantien für Rohstoffvorhaben im Ausland, die die Bundesregierung meist direkt an Banken vergibt, wenn sie »im besonderen staatlichen Interesse der Bundesrepublik Deutschland« sind. Die Garantien können Kredite gegen wirtschaftliche und politische Ausfallrisiken absichern und damit die Finanzierung überhaupt erst ermöglichen oder erleichtern. Das bedeutet: Scheitert ein solches Projekt und bekommen die beteiligten Banken ihr Geld nicht zurück, muss der deutsche Staat für den größten Teil der Verluste aufkommen – und damit letztlich der deutsche Steuerzahler.
Flüssigerdgasterminals vor der deutschen Küste: Bald auch Gasimporte aus Patagonien?
Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa / picture allianceDie Bundesregierung äußert sich auf Nachfrage nicht dazu, wer die Bürgschaft für das Erdgasprojekt angefragt hat. Das Wirtschaftsministerium gibt bei solchen Voranfragen laut einer Sprecherin keine Details zu den Antragstellern heraus. Vermutlich handelt es sich aber um eine Bank, die einen Kredit für das argentinische Gasprojekt absichern möchte.
Naheliegend, aber nicht bestätigt, ist, dass das Geld in eine neue Gaspartnerschaft zwischen dem bundeseigenen Gasunternehmen Sefe (Securing Energy for Europe) und dem argentinischen Unternehmen Southern Energy investiert werden soll. Beide hatten Anfang Dezember 2025 eine Liefervereinbarung für Flüssigerdgas bekannt gegeben. Sefe will demnach ab Ende 2027 bis zu zwei Millionen Tonnen LNG pro Jahr aus Südamerika einkaufen. Das entspricht knapp einem Drittel der Flüssigerdgaslieferungen, die derzeit an der deutschen Küste ankommen.
Das Erdgas soll im argentinischen Inland in der bereits existierenden Stätte Vaca Muerta im Norden Patagoniens gefördert werden. Die argentinische Southern Energy transportiert das Erdgas anschließend zur Küste und will zwei schwimmende Flüssigerdgasterminals im Golfo San Matías rund 800 Kilometer südlich von Buenos Aires aufstellen. Für das Projekt könnte die finanzielle Absicherung durch das BMWE entscheidend sein, da Argentinien seit Jahren wirtschaftlich als instabil gilt.
Sefe erklärte dem SPIEGEL schriftlich, man habe »keinen Antrag auf eine staatliche Absicherung des LNG-Projekts mit Southern Energy« gestellt. Allerdings muss auch nicht Sefe, sondern der jeweilige Kreditgeber den Antrag stellen.
Kippen bald auch die Klimaprüfungen für Rohstoffgarantien?
Ob der Staat für eine Investition in Erdgasprojekte bürgen sollte, ist umstritten. Das Wirtschaftsministerium unter dem ehemaligen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hatte 2023 eine »Klimaprüfung« für solche Garantien beschlossen. Zuvor hatte die Ampelregierung selbst Garantien für LNG-Lieferungen vergeben und etwa ein Geschäft des Energiehändlers Trafigura zur Abgabe von Flüssigerdgas an das deutsche Unternehmen Sefe abgesichert.
Die »Klimaprüfung« sollte sicherstellen, dass sich künftige UFK-Garantien am »1,5-Grad-Pfad« ausrichten. Die unterstützten Projekte sollen demnach helfen, die Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen zu erreichen und die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.
Laut BMWE hat es seit Einführung der Klimaprüfung keine Garantien mehr für Erdgasgeschäfte gegeben. Nun könnten die Klimaleitlinien unter Wirtschaftsministerin Katherina Reiche jedoch »flexibilisiert« werden, so steht es im Koalitionsvertrag. Die Überarbeitung laufe derzeit, bestätigte eine Sprecherin des BMWE.
Umweltschützer und die Opposition vermuten, dass dies zu einer weniger ambitionierten Prüfung auf mögliche Klimaschäden führen wird. »Das drohende Aufweichen der Klimaschutzleitlinien für die Außenwirtschaftsförderung durch Ministerin Reiche wäre ein klarer Verfassungsbruch mit Ansage«, sagt Charlotte Neuhäuser, Bundestagsabgeordnete der Linken. Ihre Partei fordere ein Ende der Förderung von Gasprojekten im Ausland.
Kritiker verweisen seit Jahren darauf, dass staatliche Garantien für fossile Vorhaben Finanzierungshürden senken und so neue Öl- und Gasinfrastruktur im Ausland begünstigen können. »Wenn sich die Bundesregierung nicht komplett unglaubwürdig machen will, darf sie solche LNG-Importe nicht mit staatlichen Garantien absichern«, sagt Moritz Leiner von der Umweltorganisation Urgewald. Zudem hätte die argentinische Erdgasförderstätte Vaca Muerta eine verheerende Umwelt- und Klimabilanz.
Garantiezahlungen in Millionenhöhe für Chemieriesen BASF
Dass solche Garantien mehr als eine Formsache sind, zeigt der Fall BASF. Laut dem »Handelsblatt« erhielt BASF im vergangenen Jahr erstmals Geld aus Bundesstaatsgarantien. Im Herbst bekam der Konzern 229 Millionen Euro ausgezahlt und auch Ende des Jahres sollen laut Branchenkreisen weitere Beträge geflossen sein. Die nun eingelösten Garantien stammen aus dem Jahr 2016 und sollten Investitionen in russische Gasfelder absichern; nach Beginn des Ukrainekriegs wurde die damalige BASF-Tochter Wintershall Dea in Russland faktisch enteignet.
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Im Fall Argentiniens ist noch nichts entschieden. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass das Bundeswirtschaftsministerium zustimmt. Deutschland und die EU versuchen derzeit, sich bei den Energielieferungen breiter aufzustellen. Derzeit kommen über 90 Prozent der Flüssigerdgaslieferungen nach Deutschland aus den USA.
