Forschende haben in Malawi einen 9500 Jahre alten Scheiterhaufen von Jägern und Sammlern entdeckt. Es handle sich um die mutmaßlich älteste bekannte Verbrennungsstätte in Afrika, schreiben sie in einer Studie im Fachblatt »Science Advances «. Sie seien an dem Ort auf die Überreste eines verbrannten Menschen gestoßen.
Die Einäscherungsstätte, Hora 1 genannt, liegt am Fuß eines Felsens unter einem Vorsprung. Bereits in den Fünfzigerjahren zeigten archäologische Funde, dass dort Menschen bestattet worden waren. Ausgrabungen in den Jahren 2017 und 2018 förderten dann die Knochen einer eingeäscherten Person zutage.
Fehlender Schädel
Insgesamt untersuchten die Forschenden 170 Knochenfragmente, hauptsächlich von Armen und Beinen. Der Studie zufolge war die verbrannte Person eine erwachsene Frau mit einer Körpergröße von knapp 1,50 Metern. Demnach wurde sie vor etwa 9500 Jahren kurz nach ihrem Tod verbrannt, noch bevor die Verwesung einsetzte.
Fragmente von Zähnen oder Schädelknochen habe man nicht gefunden, sagt die Studienmitautorin Elizabeth Sawchuk, Kuratorin am Cleveland Museum of Natural History und Bioarchäologin, in einer Mitteilung. »Da diese Teile bei Einäscherungen normalerweise erhalten bleiben, glauben wir, dass der Kopf möglicherweise vor der Verbrennung entfernt wurde.«
Ausgrabung an archäologischer Stätte Hora 1
Foto: Jessica ThompsonEinäscherungen seien in Gemeinschaften von Jägern und Sammlern selten, schreiben die Forschenden. Erst als die Menschen sesshaft geworden seien, hätten sich ausgeprägtere Bestattungsrituale verbreitet. Der weltweit älteste bekannte Scheiterhaufen wurde der Mitteilung zufolge vor 11.500 Jahren in Alaska errichtet.
Analysen der Asche und Knochenfragmente deuten darauf hin, dass der Scheiterhaufen in Malawi mehr als 500 Grad Celsius heiß wurde. Mindestens 30 Kilogramm Totholz und Gras seien nötig gewesen, um ihn zu errichten, heißt er. Die Jäger und Sammler hätten sich erheblich anstrengen und ständig Brennmaterial nachwerfen müssen.
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Die Frau wurde als einzige Person unter den Bestatteten von Hora 1 eingeäschert. Der Grund bleibe rätselhaft, sagt die Mitautorin Jessica Thompson, Anthropologin der amerikanischen Yale University, in der Mitteilung: »Sie muss etwas Besonderes an sich gehabt haben, das diese außergewöhnliche Behandlung rechtfertigte.«
