Wenn in deutschen Großstädten gebaut wird, rücken häufig nicht nur Bagger an, sondern auch Archäologen . Ihre Aufgabe ist es, Hinterlassenschaften der Vergangenheit zu bergen. In Köln ist ihnen dabei ein in Nordeuropa einzigartiger Fund gelungen, wie nun bekannt wurde. Bei Bauarbeiten am jüdischen Museum MiQua ist ein römischer Hausaltar aus dem 2. Jahrhundert entdeckt worden, auch Lararium genannt.
Der Altar wurde im Bereich des alten römischen Statthalterpalastes, des Praetoriums, gefunden. »Und davon gibt es wirklich nicht viele, die ausgegraben wurden«, sagte der zuständige Grabungsleiter der Archäologischen Zone Köln, Michael Wiehen, über den Altar. An diesem Ort legten die damaligen Bewohner des Hauses Opfer für Schutzgötter nieder, Laren genannt. Geopfert wurden etwa Lebensmittel.
Antike Girlande
Der Altar liegt laut der Stadt Köln in einer Nische, im Inneren sind noch Reste der Bemalung erkennbar. Löcher über und neben der Nische stammen laut den Ausgräbern wahrscheinlich von Nägeln. Sie vermuten, dass dort einst eine Girlande gehangen haben könnte. Auch die Platte des Altars wurde bei den Ausgrabungen gefunden, sie war im Laufe der Jahrhunderte allerdings abgebrochen und soll nun während der geplanten Restaurierung wieder an ihren ursprünglichen Platz kommen.
Blick auf antike Treppe: Die Funde sollen öffentlich zugänglich werden
Foto: Franziska Bartz / Stadt Köln / Römisch-Germanisches MuseumIn der römischen Welt hatten vergleichbare Hausaltäre weite Verbreitung, sagt Wiehen. Was den Kölner Fund besonders mache, sei der gute Erhalt des Altars: »Die bauliche Erhaltung ist nördlich der Alpen grundsätzlich schlecht. Wir haben wenig Mauerwerk aus der römischen Zeit, wenn man von Anlagen wie der Porta Nigra in Trier absieht.« Ansonsten seien ähnlich gut erhaltene Altäre hauptsächlich aus den Vesuvstädten Pompeji und Herculaneum bekannt.
Der Hausaltar ist nicht der einzige bemerkenswerte Fund. Die Ausgräber stießen zudem auf eine Treppe aus dem 1. Jahrhundert. Sie verband ein sehr tief gelegenes Areal in Richtung Rhein mit einem höher liegenden Bereich des früheren römischen Statthalterpalastes. Wo die Treppe einst endete, ist jedoch unbekannt. Die Funde sollen laut WDR nach Fertigstellung des Museums über einen unterirdischen Rundweg für Besucherinnen und Besucher zugänglich sein.
