SpOn 05.03.2026
13:32 Uhr

António Lobo Antunes: Bedeutender portugiesischer Autor ist tot


Er prägte die Literatur Portugals – und analysierte mit psychiatrisch geschultem Blick dessen Vergangenheit als Kolonialmacht und Diktatur. Nun ist António Lobo Antunes im Alter von 83 Jahren gestorben.

António Lobo Antunes: Bedeutender portugiesischer Autor ist tot

Bevor er hauptberuflich als Schriftsteller tätig wurde, arbeitete António Lobo Antunes in seiner Heimatstadt Lissabon lange als Arzt. Nach dem Schulabschluss hatte er Medizin studiert und sich zum chirurgischen Facharzt ausbilden lassen.

1968 wurde er zum Wehrdienst einberufen und nach Angola abkommandiert, dort arbeitete er lange Zeit als Militärarzt und kümmerte sich um die psychiatrische Behandlung der portugiesischen Soldaten. Im Anschluss spezialisierte er sich auf Psychiatrie. Bis 1985 arbeitete er als Chefarzt in einem psychiatrischen Krankenhaus in Lissabon.

In der Zeit der Salazar-Diktatur war Lobo Antunes der Kommunistischen Partei beigetreten, er saß wegen seines politischen Bekenntnisses zeitweise im Gefängnis.

António Lobo Antunes im Jahr 1991: In weit mehr als 30 Sprachen übersetzt

António Lobo Antunes im Jahr 1991: In weit mehr als 30 Sprachen übersetzt

Foto: Patrick Box / Gamma-Rapho / Getty Images

Seine Erfahrungen aus der Militär- und Gefängniszeit verarbeitete er in dem 1979 erschienenen Debütwerk »Elefantengedächtnis« sowie in dem Roman »Einblick in die Hölle«. In beiden Büchern blickte Lobo Antunes kritisch auf den eigenen Berufsstand. Er sah ihn als Teil des inzwischen gestürzten Regimes.

Immer wieder beschäftigte er sich jedoch auch mit Portugals Kolonialvergangenheit; etwa in dem autobiografisch gefärbten Roman »Der Judaskuss«, der ihm seinen internationalen Durchbruch bescherte.

In seinen oft monologisch angelegten Werken, in denen er ganze Seiten lang keine Punkte setzte, zog er immer wieder große zeitgeschichtliche Bögen und verband sie mit einer inneren, reflektierenden Stimme. Als Großwerk gilt »Die natürliche Ordnung der Dinge« aus dem Jahr 1992. Der Roman bildet die Zeitspanne von der Salazar-Diktatur über die Nelkenrevolution bis zu der Modernisierung Portugals nach dem Eintritt in die EU ab.

Mehr zum Thema

Bis in die späten Zehnerjahre brachte Lobo Antunes gefeierte Romane heraus, darunter »Einen Stein werd ich lieben« oder »Das Archipel der Schlaflosigkeit«. Dabei wurde seine Sprache immer radikaler und die Syntax immer eigenwilliger. Zudem experimentierte er mit verschiedenen Erzählerstimmen.

Seine Werke wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Neben dem Literaturnobelpreisträger José Saramago gilt er als wichtigste literarische Stimme Portugals nach der Revolution. Er selbst wurde auch immer wieder als Kandidat für den Nobelpreis gehandelt. Wie sein Verlag bestätigte, ist António Lobo Antunes jetzt im Alter von 83 Jahren gestorben.

cbu