SpOn 27.01.2026
11:15 Uhr

Anthropologie: Vielleicht älteste Holzwerkzeuge der Menschheit in Griechenland entdeckt


Mehr als 100.000 Jahre bevor es moderne Menschen gab, wurde dieses Holz geschnitzt: In Südeuropa haben Forschende die womöglich ältesten hölzernen Handwerkzeuge der Welt gefunden. Die Stöcke dienten einem besonderen Zweck.

Anthropologie: Vielleicht älteste Holzwerkzeuge der Menschheit in Griechenland entdeckt

Holz zählt zu den wichtigsten Materialien der Menschheitsgeschichte. Es ist allerdings sehr vergänglich. Während Steinwerkzeuge Hunderttausende Jahre überdauern können, verwittern hölzerne Objekte meist schnell.

Umso bedeutender ist eine Entdeckung aus Griechenland: Bei zwei Holzartefakten von der Halbinsel Peloponnes handele es sich um Handwerkzeuge, die etwa 430.000 Jahre alt seien, berichten  Forschende um Katerina Harvati von der Universität Tübingen in der Fachzeitschrift »PNAS«. Die Funde sind damit etwa 30.000 Jahre älter als eine hölzerne Lanzenspitze, die im Südosten von England gefunden wurde.

Harvati wird in einer Mitteilung ihrer Universität mit den Worten zitiert, das Team habe die »bisher ältesten hölzernen Handwerkzeuge der Menschheit entdeckt«. Die Forschenden hatten mehr als 144 Holzreste analysiert. Mindestens zwei davon seien gezielt von Frühmenschen bearbeitet und genutzt worden, so die Wissenschaftler.

»Wir untersuchten systematisch Form und Gestalt des Holzes und betrachteten es auch mikroskopisch«, erläuterte Erstautorin Annemieke Milks von der britischen Universität Reading. »Die Bearbeitung durch den Menschen hat Spuren hinterlassen, zum Beispiel beim Schneiden oder Schnitzen.«

Verschiedene Ansichten des kleineren Fundstücks: Die Funktion dieses Werkzeugs ist unklar

Verschiedene Ansichten des kleineren Fundstücks: Die Funktion dieses Werkzeugs ist unklar

Foto: Photograph / N. Thompson, copyright K. Harvati dpa

Das erste Fundstück stammt aus einem Erlenstamm. Der Stock wurde wahrscheinlich zum Graben im Sand oder zum Ablösen von Baumrinde benutzt. Das zweite, deutlich kleinere Objekt stammt vermutlich von einer Weide oder Pappel und zeigt ebenfalls Spuren von Bearbeitung.

Der Fundort Marathousa 1, ein ehemaliges Bergbaugebiet, lag vermutlich am Ufer eines Sees und wurde als Schlachtplatz für Tiere genutzt. Darauf deuten neben Stein- und Holzwerkzeugen auch zahlreiche Tierknochen mit Schnittspuren hin. Unter den Überresten sind nicht nur Spuren von Rothirschen und Flusspferden, sondern auch das Skelett eines zerlegten Urelefanten.

Der Fundort wurde damals sehr schnell von feinen, feuchten Sedimenten bedeckt, die die organischen Materialien vor dem Zerfall schützten. Das ermöglichte den Erhalt der Holzwerkzeuge, was bei diesem Alter extrem selten ist.

Die neuen Funde sind älter als die Schöninger Speere

Mit dem Alter der nun vorgestellten Hölzer könne nur ein anderer Fund aus Kalambo Falls in Sambia mithalten, erklärt die Gruppe um Harvati. Das etwa 476.000 alte Holzstück diente aber vermutlich nicht als Werkzeug.

Weltberühmt sind die nahe Helmstedt gefundenen hölzernen Schöninger Speere – die ältesten vollständig erhaltenen Jagdwaffen der Welt –, die vermutlich etwa 300.000 Jahre alt sind. Die generell älteste hölzerne Jagdwaffe ist eine Lanzenspitze aus Südostengland mit einem Alter von etwa 400.000 Jahren.

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Die Entdeckung zeigt, dass Menschen in Europa schon damals neben Stein auch Holz gezielt als Werkstoff nutzten. »Diese Funde erweitern erheblich unser Verständnis der Entwicklung und Nutzung von Technologien und Materialien in der menschlichen Evolution«, erklärt das Forschungsteam um Harvati. Den modernen Menschen gab es damals noch nicht: Der Homo sapiens entstand erst vor etwa 300.000 Jahren in Afrika.

mha/dpa