SpOn 25.02.2026
11:40 Uhr

Anthropic: Pentagon setzt Frist für militärische Nutzung von KI-Chatbot


Bislang weigert sich das KI-Unternehmen Anthropic, seinen Chatbot uneingeschränkt für militärische Zwecke zur Verfügung zu stellen. Nun hat US-Verteidigungsminister Hegseth der Firma eine Frist gesetzt und droht mit Strafen.

Anthropic: Pentagon setzt Frist für militärische Nutzung von KI-Chatbot

US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat dem KI-Unternehmen Anthropic einem Medienbericht und Insidern zufolge eine Frist bis Freitag gesetzt, ​um seine Sicherheitsbeschränkungen für den militärischen Einsatz zu lockern. Sollte das Unternehmen nicht einlenken, drohten ‌harte Strafen, berichteten das Nachrichtenportal Axios und die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf Insider. So könnte das Pentagon vom Defense Production Act Gebrauch machen, erklärte demnach ein ranghoher Pentagon-Vertreter. Das Gesetz aus den Zeiten des Kalten Krieges erlaubt es der US-Regierung, Unternehmen zu zwingen, den Bedürfnissen der nationalen Sicherheit Vorrang einzuräumen.

Hintergrund ist der Plan des Pentagon, KI-Modelle auch in geheimen Netzwerken zu nutzen, ohne dabei den üblichen Einschränkungen der Hersteller zu unterliegen. Die US-Regierung will KI-Modelle verstärkt auf allen Geheimhaltungsstufen einsetzen, um militärische ​Entscheidungen zu beschleunigen.

Die Verhandlungen mit dem für seinen Chatbot Claude bekannten Unternehmen gestalten sich ⁠Insidern ⁠zufolge jedoch schwierig. Demnach haben Anthropic-Manager Regierungsvertretern gegenüber deutlich gemacht, dass ihre Technologie nicht für die autonome Zielerfassung oder für die Überwachung im Inland eingesetzt werden ‌soll. Ein ​Sprecher des Unternehmens ‌hatte erklärt, man wolle zwar helfen, den US-Vorsprung bei der KI zu sichern, befinde sich aber noch in Diskussionen über die genaue Art der Zusammenarbeit.

Ein hochrangiger Pentagon-Vertreter wies Anthropics Bedenken gegen die militärische Nutzung seiner Technologie zurück. Das Pentagon habe stets im Rahmen des Gesetzes gehandelt, erklärte er.

Mehr zum Thema

Mit seiner Haltung bildet Anthropic derzeit eine ‌Ausnahme in der Branche. Konkurrenten wie die Google-Mutter Alphabet, das von Tesla-Chef Elon Musk geführte Unternehmen xAI und der ChatGPT-Entwickler OpenAI ‌haben bereits Abkommen mit der Regierung ​geschlossen. So hat OpenAI zugestimmt, ‌viele der üblichen Nutzungsbeschränkungen für das militärische Netzwerk »genai.mil« aufzuheben. ‌Experten ​warnen jedoch vor Risiken. KI-Modelle neigen unter anderem dazu, Informationen zu erfinden, sogenannte »Halluzinationen«.

Anthropic wurde 2021 von ehemaligen Mitarbeitern des KI-Unternehmens OpenAI gegründet. Während OpenAI mit seinem Chatbot ChatGPT der breiten Öffentlichkeit deutlich bekannter ist, zielt Anthropic mit Claude auf Programmierer und Unternehmen ab, denen unter anderem Datensicherheit wichtig ist.

mmq/Reuters/AFP/AP